Gorenzel vor dem Aus

von Redaktion

TSV 1860 Nach 2:5-Blamage: Ismaik rückt vom Sportchef ab, Köllner bleibt

VON LUDWIG KRAMMER

München – Näher zusammenrücken“, hieß die Devise, die Günther Gorenzel für das Magdeburg-Spiel ausgegeben hatte. Doch die Umsetzung tags darauf wird sich der Sportgeschäftsführer ganz anders vorgestellt haben.

Während sich die Mannschaft beim 2:5 (0:5) gegen den Tabellenführer 45 Minuten lang der Lächerlichkeit preisgab (Torwart Marco Hiller ausgenommen), rückten zuerst Präsident Robert Reisinger und Finanzgeschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer auf der Tribüne ganz nah zusammen. Nach intensivem Austausch ging es in der Halbzeitpause rüber nach rechts, wo Ismaik-Vertreter Anthony Power Platz genommen hatte. Kopf an Kopf diskutierten Reisinger und Power bis nach Schlusspfiff. Der Ernst der Lage beim TSV 1860 ließ die ideologischen Gräben zwischen den Gesellschafter-Lagern einstweilen verschwinden.

Das vorläufige Ergebnis: Michael Köllner (Vertrag bis 2023) darf bleiben, bei Gorenzel hingegen stehen die Zeichen auf Trennung. „Der Trainer steht nicht zur Disposition“, sagte Reisinger nach Spielende. Seine Begründung: „Es liegt nicht am Trainer. Ich erwarte von der Mannschaft eine Reaktion in den beiden Auswärtsspielen vor der Winterpause gegen Dortmund II und Würzburg.“

In den Social-Media-Posts von Hasan Ismaik las sich das ähnlich: „Dieser heutige Tag, aber auch die Entwicklungen der letzten Monate im sportlichen Bereich müssen aufgearbeitet werden. Trotzdem will ich betonen, dass Michael Köllner und auch die Mannschaft bei mir nicht zur Diskussion stehen.“ Bislang hatte Ismaik stets von der sportlichen Leitung gesprochen. Nun wurde Gorenzel nicht mehr erwähnt.

Nach Informationen unserer Zeitung dürfte es darauf hinauslaufen, dass Gorenzels Vertrag bei 1860 fristgerecht zum 31. Dezember gekündigt wird, um zu verhindern, dass er sich um eine weitere Saison verlängert. Bei Köllner bleiben die nächsten Spiele abzuwarten. Er werfe „die Flinte nicht ins Korn“, sagte der Coach: „Ich spüre nicht, dass ich ohne Kraft bin.“ Nun seien „Taten“ gefragt.

Die gab es am Samstag abgesehen von der Ergebniskosmetik durch Greilinger (71.) und Biankadi (87.) nicht zu verzeichnen. Nach dem Zusammenbruch in Osnabrück und der katastrophalen ersten Halbzeit gegen Mannheim (beide 1:3) war Magdeburg eine weitere negative Steigerung. Der für den indisponierten Semi Belkahia aufgebotene Quirin Moll verlor beim ersten Gegentor den Ball aus den Augen und wurde per Wade zum unfreiwilligen Vorlagengeber für Krempicki (5.), vor dem 0:2 ließ sich Kapitän Mölders von Müller mit einer simplen Körpertäuschung verladen (14.). Absoluter Tiefpunkt: der dreifache Aussetzer von Dressel, Moll und Deichmann bei Krempickis Drehung vor dem 0:3 (17.). Die Greilinger-Vorlage für Schuler und der von Atik verwandelte Foulelfmeter (Verursacher Neudecker) sorgten für den höchsten Pausenrückstand in der blauen Pflichtspiel-Geschichte.

Und auch der von Dennis Dressel verschossene Elfmeter beim Stand von 0:1 ließ tief blicken. Köllner hatte den Sechser als Schützen vorgesehen, wie er auf Nachfrage bestätigte. „Dann ist Dennis das Herz in die Hose gerutscht.“ Dass die von Gorenzel in die Pflicht genommenen Achsenspieler Salger, Neudecker und Mölders allesamt außen vor waren, spricht nicht für eine intakte Hierarchie. „So eine erste Halbzeit kann man nicht akzeptieren. Das war überhaupt nicht drittligatauglich“, sagte Köllner konsterniert. Gorenzels Antwort auf die Trainerfrage: „Sie werden sicher verstehen, dass ich momentan nicht über Michael Köllner, sondern mit Michael Köllner spreche. Das ist entscheidend, um diese Dinge in den Griff zu bekommen.“

In Gorenzels Händen wird nach der jüngsten Entwicklung nicht mehr viel liegen.

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