Lust auf noch mehr

von Redaktion

Deutsches Davis-Cup-Team unterliegt Russland im Halbfinale, ist aber stolz – und hofft auf Zverevs Rückkehr

Madrid – Allzu lange brauchten Jan-Lennard Struff und Co. nicht, um die Enttäuschung über die verpasste Krönung ihrer Titelmission in Madrid zu verdauen. Bei einem feinen Abendessen stießen die deutschen Tennisprofis auf ihre sensationelle Davis-Cup-Reise an, dann ging es am Sonntagmorgen hoch erhobenen Hauptes in den Flieger – mit großer Lust auf mehr nach dem ersten Halbfinale seit 14 Jahren. „Das“, betonte Kapitän Michael Kohlmann, „ist noch nicht das Ende.“

Die Zuversicht ist groß beim Deutschen Tennis Bund (DTB). Daran änderte auch das klare Aus gegen die starke russische Mannschaft um US-Open-Champion Daniil Medwedew nichts, mit dem das Warten auf das erste Finale seit 1993 weitergeht. „Insgesamt können wir extrem stolz auf uns sein“, sagte Kohlmann und sah sein Team „bereit, noch ein paar Schritte weiterzugehen. Dieses Jahr hat es leider nicht geklappt, aber nächstes Jahr werden wir wieder angreifen.“

Vielleicht dann ja auch mit Alexander Zverev – zumindest ist die Hoffnung auf ein Comeback des Starspielers groß. Als Kritiker des Davis-Cup-Formats mit der Finalrunde am Ende einer kräftezehrenden Saison hatte der Olympiasieger auf eine Teilnahme verzichtet, machte stattdessen Urlaub auf den Malediven und war am Samstagabend mit seiner Freundin Sophia Thomalla Gast auf einer Spendengala.

Der Wunsch bei den DTB-Profis ist aber groß, künftig mit Zverev die letzten Schritte zum Titel gehen zu können. „Wir müssen nicht über Saschas Qualitäten sprechen“, sagte Struff: „Wenn er dabei ist, sind wir ein besseres Team und haben größere Chancen zu gewinnen.“ Dies sei zwar „überhaupt keine Kritik, dass er nicht dabei ist“, sagte der Warsteiner, ergänzte aber: „Natürlich würde ich mich freuen, wenn er beim nächsten Davis Cup an unserer Seite wäre.“

Auch Dominik Koepfer würde eine Rückkehr des Siegers der ATP Finals begrüßen. „Hoffentlich entscheidet er sich in den nächsten Jahren dazu mitzuspielen“, sagte der Schwarzwälder: „Wir hätten ihn liebend gerne im Team dabei.“

Welch entscheidender Faktor der Weltranglistendritte für den ganz großen Wurf sein könnte, zeigte die 1:2-Niederlage gegen die starken Russen. Medwedew (ATP-2.) und Andrej Rublew (ATP-5.) machten das Finale schon mit den beiden Einzeln klar. Dennoch war es Kohlmann wichtig, das Positive an diesem Turnier hervorzuheben, etwa den herausragenden Teamgeist oder die bärenstarken und weiterhin ungeschlagenen Doppelspezialisten Kevin Krawietz und Tim Pütz. Den sensationellen Halbfinaleinzug mit Siegen über Novak Djokovics Serben und Großbritannien habe „niemand von uns erwartet“, sagte der Teamchef.

„In den nächsten Jahren glaube ich schon, dass wir mit der nötigen Auslosung immer wieder ein gutes Wort mitreden können“, sagte Kohlmann weiter.

Auch DTB-Präsident Dietloff von Arnim (61) war voll des Lobes: „Diese zwei Wochen waren Wahnsinn. Das gesamte Team rund um Kapitän Michael Kohlmann kann stolz auf sich sein. Das war Werbung für den deutschen Tennissport.“  sid

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