BVB in Rage

Schlechte Verlierer

von Redaktion

PHILIPP KESSLER

Borussia Dortmund verliert einen berauschenden Bundesliga-Gipfel mit 2:3 gegen den FC Bayern. Die Schuld suchten die BVB-Profis danach aber nicht bei sich selbst, sondern bei Schiedsrichter Felix Zwayer und seiner umstrittenen Elfmeter-Entscheidung. Trotz zehn Minuten Nachspielzeit, in denen sie die Chance bekamen, die Pleite doch noch abzuwenden. Besonderes skurril: Jude Bellingham verwies auf den Schiri-Skandal vor 16 Jahren um Robert Hoyzer und Zwayers Verstrickung darin. Richtig ist, dass Zwayer damals als Hoyzers Linienrichter eine zumindest zwielichtige Rolle einnahm und der Deutsche Fußball Bund (DFB) Diskussionen um seine Person unter der Decke halten wollte. Aber der Bezug ist in Anbetracht der Sachlage am Samstag überzogen.

Interessant in diesem Zusammenhang: Der 18-jährige Engländer war zur Zeit der Vorfälle erst zwei Jahre alt. Theoretisch kann er sich darüber informiert haben, aber der Verdacht liegt nahe, dass die Vorbehalte gegenüber Zwayer schon vor dem deutschen Klassiker innerhalb der Dortmunder Mannschaft bestanden. Es passt ins Bild, dass der wütende BVB-Trainer Marco Rose Gelb-Rot kassierte und Superstar Erling Haaland behauptete, die Schiedsrichter-Leistung sei ein „Skandal“ gewesen.

Der Handelfmeter, der zum Siegtor der Bayern führte, war eine harte, aber vertretbare Entscheidung. Mats Hummels berührt den Ball mit dem Ellbogen. Klar: Auch als Marco Reus im Zweikampf mit Lucas Hernandez zu Boden ging, hätte Zwayer auf den Punkt zeigen können – das gab auch Bayern-Star Thomas Müller zu. In der Szene davor ist allerdings mit kalibrierter Linie zu erkennen, dass Haaland leicht im Abseits war. Dass Zwayer sich nur die Hummels-Szene, aber nicht beide umstrittenen Elfer-Situationen auf Video vorspielen ließ, darf aber kritisiert werden.

Niederlagen schmerzen, man darf auch Unmut äußern. Aber dass die Dortmunder Zwayer für die Pleite verantwortlich machen, ist schwach. Sie sind schlechte Verlierer – und schädigen sich wohl selbst am meisten…

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