Max Eberl ist gut im Ruck-Reden-Halten. Er hat viele Leute beeindruckt, wie er zu Beginn dieses Kalenderjahres versuchte, die Wut von seinem damaligen Trainer Marco Rose abzuleiten, indem er sagte: Ich habe den Vertrag gemacht, den er nun legitim zu seinen Gunsten nutzt – also bitte lasst ihn in Ruhe und kritisiert mich.
Weil er zum Ausklang der vorigen Saison nicht umgefallen ist, gibt es nun keinen Grund, daran zu zweifeln, dass Max Eberl, der Mönchengladbacher Sportmanager, in der aktuellen Diskussion um Adi Hütter nur eine Phrase ablässt. Es ist ehrlich gemeint: Er will den neuen Trainer nicht wegen eines 0:6 im Heimspiel gegen Freiburg in Frage stellen.
Erneut ein ehrbares Verhalten – doch es kann auch falsch sein und dem Verein, den er seit mittlerweile Jahrzehnten so würdig vertritt, schaden. Schon das Festhalten an Rose, nachdem der seinen Drang nach Dortmund bekannt gegeben und die Fans gegen sich aufgebracht hatte, führte nicht zum gewünschten Ergebnis. Gladbach verpasste – mit Ansage – alle internationalen Wettbewerbe, das ist eine wirtschaftliche Einbuße. Der Kader ist für Europa ausgelegt, viele der Spieler sind da, weil ihnen Borussia den Mix aus solider Führung und großer Bühne bieten soll. Dieses Konzept verzeiht kein Mittelmaß – in das sich der Traditionsverein aber begibt.
Womöglich hat sich Max Eberl mit Adi Hütter einen Trainer geholt, der dem ja lange geschätzten Marco Rose nicht nur vom Werdegang, dem Auftreten und der sportlichen Ausrichtung ähnelt, sondern auch darin, dass er die Überzeugung von der Borussia vermissen lässt. Rose spekulierte, wie die Geschichte zeigt, auf das nächste und größere Ding, und voller Enthusiasmus scheint auch der Wechsel Hütters nicht erfolgt zu sein: Frankfurt stand mit ihm gut da, war aber irgendwie ausgereizt – und das ersehnte Angebot aus der Premier League lag nicht vor. Dann halt mal Mönchengladbach.
Hütters Bilanz ist trotz des Pokal-Streichs gegen die Bayern erschütternd. In der Mannschaft entwickelt sich nichts, sie wirkt in ihren Fehlermustern gefangen.
Und Max Eberls Fehler dürfte es gewesen sein, auch bei dieser Trainerverpflichtung sich auf etwas eingelassen zu haben. Bei Rose war’s die Freigabeklausel, bei Hütter die Ablöse. 7,5 Millionen! Kann man es vertreten, jemanden zu entlassen, auch wenn man es tun müsste?
Guenter.Klein@ovb.net