Mönchengladbach – Nach einer fast schlaflosen Nacht verlor Adi Hütter bei der Aufarbeitung des historischen Debakels keine Zeit. Stattdessen führte der Trainer von Borussia Mönchengladbach nach dem 0:6 (0:6) gegen den SC Freiburg schon am Montag die ersten „klärenden Gespräche“ mit seinen tief gedemütigten Spielern. „Hilflos“, betonte Hütter, „bin ich auf keinen Fall.“
Unmittelbare Konsequenzen wird die höchste Gladbacher Heimniederlage seit 23 Jahren für den Österreicher nicht haben. „Wenn wir im Fußball dahin kommen, dass man zwei Spiele verliert und dann generelle Fragen gestellt werden, dann kann ich mich damit nicht identifizieren“, sagte Sportdirektor Max Eberl bei DAZN und gab Hütter (vorerst) eine Jobgarantie: „Man entscheidet sich für etwas, man geht einen gemeinsamen Weg. Das heißt auch mal durch dick und dünn zu gehen und nicht sofort die Entscheidung zu nehmen, irgendetwas zu verändern.“
Doch Zweifel dürften auch Eberl plagen. Die rauschende Pokal-Gala gegen den FC Bayern (5:0) liegt nicht einmal sechs Wochen zurück. Doch dieses strahlende Gesicht zeigte der fünfmalige deutsche Meister in dieser Saison viel zu selten.
Es überwogen die enttäuschenden Auftritte wie in Leverkusen (0:4), bei Hertha BSC (0:1), beim Derby in Köln (1:4) oder eben an diesem denkwürdigen Sonntagabend im Borussia-Park. „So ein Spiel“, stellte Nationalspieler Jonas Hofmann danach konsterniert fest, „habe ich noch nie erlebt“.
An Tag eins der Analyse befanden sich viele Gladbacher noch in einer Schockstarre. „Ich weiß noch nicht, bis wann ich das aufgearbeitet habe“, sagte Vizepräsident Rainer Bonhof.
Erst einmal in der Geschichte der Fußball-Bundesliga lag eine Mannschaft zur Halbzeit 0:6 zurück: Borussia Dortmund beim historischen 0:12 gegen Mönchengladbach 1978 in Düsseldorf. „Es war teilweise schon surreal, was passiert ist“, sagte Eberl. Verunsichert und paralysiert seien seine Spieler gewesen, so Hütter: „Freiburg war viel gieriger und griffiger.“
Auf den 51-Jährigen wartet nun eine ungemütliche Vorweihnachtszeit. Die Zwischenbilanz mit Platz 13 nach 14 Spielen liegt deutlich hinter den Erwartungen. „Wir sind alle selbstkritisch. Es wäre nicht gut, wenn ich nach dieser Niederlage auf jemanden anderen zeigen würde. Wir sitzen alle in einem Boot. Ich werde mich immer vor meine Mannschaft stellen“, sagte Hütter vor dem Duell der Enttäuschten am Samstag bei RB Leipzig. sid