Dubai – Als Magnus Carlsen zu seinen Chancen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung bei der Schach-WM gefragt wurde, fiel die Antwort kurz, aber deutlich aus. „Sehr gut“, sagte der sichtlich erschöpfte Weltmeister. Wenige Minuten zuvor hatte der Norweger seinen Herausforderer Jan Nepomnjaschtschi zum zweiten Mal besiegt und seine Führung vor dem gestrigen Ruhetag auf 5:3 Punkte ausgebaut. Die Chancen auf den fünften WM-Titel sind damit immens.
Nepomnjaschtschi müsste Carlsen in den maximal sechs verbleibenden Partien zweimal schlagen, um ein Tiebreak zu erzwingen – das scheint nahezu ausgeschlossen. Denn von seinen bisherigen 53 klassischen WM-Partien verlor der 31-jährige Norweger erst zwei.
Dabei fühlte sich Carlsen, Weltmeister seit 2013, bei seinem zweiten Sieg alles andere als fit. „Mein Hirn war einfach nur frittiert. Ich spürte, dass eine scharfe Partie nicht in meinem Interesse war“, sagte er niedergekämpft. Das war nach der fast achtstündigen Tortur am Freitag verständlich, Carlsen stand bei der Rekord-Partie erst nach 136 Zügen als Gewinner fest.
Vielleicht bot Carlsen deshalb am Sonntag bereits nach zehn Zügen eine versteckte Möglichkeit zum Remis an. Doch „Nepo“, wie er in der Schachwelt genannt wird, nahm das Angebot nicht an und sollte bitter dafür bestraft werden.
Während Carlsen in der Folge ruhig und durchdacht spielte, unterlief dem Russen im 21. Zug der entscheidende Fehler. „Ich möchte mich für meine Leistung heute entschuldigen. Ich denke, sie war unter dem Niveau eines Großmeisters“, sagte Nepomnjaschtschi. sid