München – Es kam dem EHC München sehr gelegen, dass die Straubing Tigers, zumindest auf Fan-Ebene ein Club aus der Kategorie Feind, vergangene Woche um Verlegung des für Sonntag vorgesehen DEL-Spiels baten. Die Niederbayern hatten fünf Corona-Fälle im Team, außerdem wollten sie ein Geisterspiel ohne Tageseinnahmen vermeiden. Die Münchner, binnen sechs Tagen viermal im Einsatz gewesen (zweimal gegen den Hauptwidersacher Mannheim), erkannten den Wert eines freien Wochenendes. „Wir können mal die Beine hochlegen“, sagte Kapitän Patrick Hager nach dem 4:2-Sieg über Schwenningen am Freitagabend, einem soliden Stück Arbeit, das den EHC wieder zum DEL-Tabellenführer machte.
Es geht nun auf die nächste anstrengende Etappe. Und auf internationale Mission. Der EHC steht im Viertelfinale der Champions Hockey League, einem Wettbewerb, der ihm wichtig ist und in dem er einziger verbliebener unter den vier deutschen Vertretern ist. Am heutigen Dienstag (18 Uhr/Sport1) steigt das Hinspiel bei Lukko Rauma in Südwestfinnland. 2300 Kilometer entfernt, dreimal die weiteste Liga-Reisedistanz nach Bremerhaven. Rauma ist ein 40 000-Einwohner-Ort mit vielen Holzbauten, die ihn zum UNESCO-Weltkulturerbe gemacht haben – noch berühmter dürfte aber der Eishockeyclub Lukko sein. Er ist der amtierende finnische Meister.
EHC-Trainer Don Jackson erinnert sich, „dass wir vor einigen Jahren eine Serie gegen sie hatten und sie uns geschlagen haben“, In der Saison 2015/16 eliminierte Lukko Rauma den EHC im Sechzehntelfinale der CHL mit 5:3 und 3:0. Und auch wenn sich der Personalbestand auf beiden Seiten nahezu komplett geändert hat, so dürfte ein Eindruck Jacksons noch Gültigkeit haben: „Rauma war jung, hungrig, gut organisiert.“
Was die Finnen im Eishockey leisten können, zeigten sie 2019. Ihre Nationalmannschaft wurde, obwohl sie damals auf alle NHL-Spieler verzichtet hatte, Weltmeister – eine Sensation. Und Beweis für die Stärke der finnischen Liga, die ein TalentePool für das nordamerikanische Eishockey ist. 2021 wurde Finnland Vizeweltmeister.
Lukko Rauma ist derzeit aber in der Krise. In der SM-Liiga gingen die drei Dezember-Partien knapp verloren, das Team steht auf dem 12. Platz (von 15). Aus dem Tritt geraten ist es durch eine Welle an Corona-Infektionen, die dazu geführt hat, dass das CHL-Achtelfinale lediglich zur Hälfte ausgetragen werden konnte. Nach dem 3:1-Hinspielsieg in Bozen untersagten die finnischen Gesundheitsbehörden das Rückspiel eine Woche später – und weil es keine Ersatztermine gab, entschied die CHL, dass eben nur das eine Spiel gewertet wird. Eine sportlich grenzwertige Entscheidung, die aber akzeptiert wurde.
Was für die Münchner ein Nachteil sein könnte, sind die unterschiedlichen Zuschauerkonstellationen. In Finnland geht der Betrieb seinen gewohnten Gang, zuletzt hatte Lukko gegen IFK Helsinki 2762 in der 4500 Plätze bietenden Kivikylän Arena. Eine Woche darauf in München muss vor leeren Rängen gespielt werden.
Vorteil für den EHC indes: Er bekommt Rauma-Informationen aus erster Hand: Elis Hede (20), Sohn von Niklas Hede, der im EHC-Trainerstab arbeitet und die Münchner während Don Jacksons Corona-Auszeit coachte, spielt bei IFK Helsinki, das am Samstag in Rauma 4:3 nach Verlängerung gewann.