Bad Tölz – Es drohte ein weiteres Kapitel der epischen „Auswärts hui, zuhause Pfui“-Saga. Doch dann bekamen die Tölzer Löwen drei Sekunden vor Spielende in Person von Lubor Dibelka noch den Fuß in die Türe – 4:4. Dass Dresden nach wenigen Sekunden in der Overtime doch noch siegen durfte, lag am Eigentor von Ian Brady. Es war der dritte Fauxpas des Kanadiers an diesem Abend. Alle drei führten zu Gegentreffern.
„Unsere Verteidiger sind todmüde“, wusste Kevin Gaudet um die mentale Leerstelle bei Brady, der für die Tölzer Löwen durchschnittlich 35 Minuten pro Partie auf dem Eis steht. Zuvor, bei Aufsteiger Selb, hatten die Kräfte noch gereicht, um den fünften Auswärtsdreier zu finalisieren.
Dabei erstmals im Kader: Dennis Miller. Der 22-jährige Deutschrusse ist nach Samir Kharboutli der zweite Förderlizenzler der Augsburger Panther im Löwen-Dress. Zwar ist es ob der Kaderstrukturen der DEL-Clubs nahezu unmöglich, wenigstens einen von zwei dringend benötigten Verteidigern zu bekommen (die Panther müssen seit einiger Zeit selbst mit nur fünf Defensivakteuren auskommen). Die jungfräuliche Kooperation mit den Fuggerstädtern sieht TEG-Geschäftsführer Jürgen Rumrich aber durchaus als zukunftsträchtig an. Kurze Dienstwege hier, viel Spielpraxis für junge Talente da.
Bestes Beispiel: Kharboutli. Nach einen Monat bei den Löwen steigen Spielverständnis und Selbstvertrauen. In Selb traf Kharboutli erstmals für Tölz, gegen Dresden legte er Tyler McNeelys Treffer zum 2:3 mit einer starken Aktion hinter dem Tor auf. „Wir sind froh, dass wir sie haben“, sagt Gaudet via Danksagung Richtung Augsburg.
Weniger spaßig findet der Coach das Zögern der Verantwortlichen in Sachen viertem Kontingentspieler. Die Anzeichen verdichten sich, dass die Spätfolgen der Gehirnerschütterung bei Grant Besse – es war leider nicht seine erste – langwierig ausfallen könnten. Dennoch sind keine Angebote an potenzielle Ersatzleute unterwegs. Jürgen Rumrich betont, man müsse erst einmal abwarten, wie sich Grant Besses Gesundheitszustand entwickele. „Dann ist die Frage, wer ist auf dem Markt, kann er uns helfen, und ist er finanzierbar.“ OLIVER RABUSER