München – Weltstar Cristiano Ronaldo legte seinem neuen deutschen Boss zufrieden den rechten Arm über die Schulter, die kritischen Fans feierten Ralf Rangnick mit einer innigen Liebeserklärung. Richtig genießen konnte der neue Teammanager von Manchester United sein Traumdebüt im „Theater der Träume“ aber nicht.
“Ein gutes Essen und ein Glas Rotwein“, wolle er sich zwar gönnen nach dem 1:0 (0:0) gegen Crystal Palace, sagte der 63-Jährige, aber: „Ich habe nicht viel Zeit zu feiern.“ Schließlich wollte er am Montag pünktlich um 9.00 Uhr morgens wieder im Trainingszentrum Carrington sein, als Deutscher auf der Insel hat er da einen Ruf zu verlieren. Und überhaupt: „Das nächste Spiel ist am Mittwoch, dann am Samstag.“
Rangnick hat viel zu tun beim arg gebeutelten englischen Rekordmeister, doch sein Einstand war verheißungsvoll. Für die Anhänger war es Liebe auf den ersten Blick. „We love you Rangnick, we do“, sangen sie, auf der Ehrentribüne spendeten die Klublegenden Sir Alex Ferguson, Wayne Rooney und Denis Law anerkennend Applaus.
Rangnick genoss beim Verlassen des Stadions das Bad in der Menge und stand geduldig für Selfies sowie Autogramme bereit. Er sei ja schon häufiger im Old Trafford gewesen, sagte er, „aber hier jetzt selbst verantwortlich zu sein, ist wunderbar“. Zumal sein Debüt eine historische Note hatte: Anders als vor ihm Jürgen Klopp, Thomas Tuchel oder Felix Magath feierte er als erster deutscher Trainer einen Start-Sieg. Rangnick, urteilte die BBC, wirke schon jetzt „beruhigend in der Krise“, die Sun wollte gar eine „Ran Revolution“ gesehen haben. Und die Daily Mail schwärmte von seinen „faszinierenden“ taktischen Ausführungen. Dabei brachte er in einem Nebensatz ein großes Lob für seinen Topstar unter. „Übrigens“, sagte er, „wie Ronaldo abseits des Balles gearbeitet hat: Chapeau!“ Die „größte Sorge der Fans“, Rangnick werde CR7 seinem Pressing-Ansatz opfern, war sofort „zerstreut“, schrieben die Manchester Evening News. Sein Stil, führte der Fußball-Professor aus, sei „kein sanfter Walzer“. Es werde aber Zeit brauchen, aus seinen Spielern „Pressing-Monster“ zu machen.
Vom ersten Eindruck sei er jedoch „beeindruckt“; der Auftakt, den Fred (77.) mit seinem Tor entschied, war „besser als ich erwartet habe“. Nur eine einzige, 45 Minuten kurze Einheit hatte er vorher halten können – in „abscheulichem“ Wetter, wie er schmunzelnd erzählte. sid