Münchens Spezialisten schlagen zu
Trevor Parkes und Freddy Tiffels erspielen dem EHC ein Remis im ersten CHL-Viertelfinale
Rauma/München – Eishockeyspieler sind das gar nicht gewöhnt: Dass 60 Minuten vorbei sind, es unentschieden steht, aber nicht noch weitergeht. Sonst gibt es sogar in Freundschaftsspielen Verlängerung (und womöglich noch Penaltyschießen), doch in der K.o.-Phase der Champions Hockey League gilt bei Hinspielen: Remis ist Remis. Und so hat der EHC München aus dem ersten Viertelfinale beim finnischen Meister Lukko Rauma ein ungewöhnliches Ergebnis mitgebracht: 2:2. Auf dieser guten Basis steigt kommenden Dienstag in München das Rückspiel.
2:2 ist schon deswegen ein akzeptables Resultat für die Münchner, weil es gegen Ende des zweiten Drittels noch nicht danach aussah, als könnten sie eine Niederlage abwenden. 26 Sekunden vor der zweiten Pause schlug es zum zweiten Mal hinter Tormann Danny Aus den Birken ein. Samuli Piipponen schloss einen Konter Raumas mit einem Schlenzer zum 2:0 ab – mitten hinein in eine Phase des Spiels, in der das Team von Don Jackson voller Enthusiasmus agierte. Das erste Tor hatte Lukko in der 25. Minute erzielt, für Linus Nyman hatte Arttui Ilomäki, der Promi im Team, Weltmeister 2019, aufgelegt. Bis zum 0:1 hatte der EHC auch das kleine Problem gehabt, dass er sich von der Strafbank nicht fernhalten konnte und dreimal in Unterzahl agieren musste.
Doch mit kniffligen Situationen kennt sich München als CHL-Stammgast und Finalist von 2019 aus. Und er hat ja auch Spezialisten für diese Liga: Trevor Parkes schießt regelmäßig seine Tore, vor drei Jahren wurde er sogar mal als bester Spieler der Königsklasse ausgezeichnet. Am Dienstagabend im Südwesten Finnlands gelang ihm sein sechstes Saisontor in der CHL. Noch erfolgreicher: Freddy Tiffels. Für den aus Köln gekommenen schnellen Stürmer ist es die erste Begegnung mit der Champions League, und gestern war für ihn sein siebter Treffer drin. Tiffels und Parkes belohnten sich in der 44. und 54. Minute mit ihrem unnachgiebigen Arbeiten vor dem finnischen Tor mit den Treffern zum 1:2 und 2:2.
Trainer Jackson hatte auch wieder ein Lob für Danny Aus den Birken parat, der in der CHL die klare Nummer eins ist. Im Laufe des zweiten Drittels kam der 36-Jährige – Eishockey ist ein Statistik-Sport – zu seiner 1000. Parade in der Champions League. Es ist davon auszugehen, dass Aus den Birken auch nächsten Dienstag im Kasten stehen wird, um den Halbfinaleinzug zu ermöglichen. Im Falle eines Unentschiedens würde dann für bis zu zehn Minuten verlängert.
Ein kleiner Nachteil: Der EHC muss sich im eigenen Stadion auf leere Ränge einstellen, es herrscht ja wieder Geisterspielzeit im bayerischen Profieishockey. Allerdings waren auch die Umstände in Rauma eher geisterspielartig, als dass sie sich nach Spiel im Hexenkessel angefühlt hätten. Die CHL ist nun mal kein Publikumsmagnet, in der Kivikylän Arena verloren sich 953 Besucher.
Gut, wer geht auch im Dezember in Finnland aus dem Haus, wenn er nicht muss? Als bei Lukko – EHC der Puck eingeworfen wurde, hatte es vor der Halle minus 17 Grad. München musste erst mal warm werden.