München – Derart entkoffeiniert war Bayern gegen Barça noch nie. Diese Meinung, die vor dem Gruppenfinale in der Königsklasse so mancher Fan des FC Bayern vertreten wird, trifft angesichts der bereits feststehenden Qualifikation für das Achtelfinale zumindest in sportlicher Hinsicht zu. Dass es bei König Fußball aber schon lange nicht mehr nur um Sportliches, sondern vielmehr um Finanzielles geht, sollte allen Interessierten vor dem Geisterkick heute Abend in der Fröttmaninger Arena ebenfalls klar sein.
Für jeden Sieg in der Champions League schüttet die UEFA schließlich 2,8 Millionen Euro aus, eine Summe, die angesichts der von Corona geprägten Kassenlage nicht nur bei den schuldengeplagten Katalanen, sondern auch den Bayern ziemlich willkommen sein dürfte. Viel prekärer ist die Lage jedoch beim spanischen FCB, den der deutsche FCB mit einem Sieg noch tiefer in den (wirtschaftlichen) Abgrund schießen kann. Machen die Bayern auch den sechsten Sieg in der Gruppenphase perfekt, wäre Barças Abstieg in die zweitklassige Europa Leauge bei einem Sieg von Benfica gegen Schlusslicht Dynamo Kiew perfekt.
Fernab vom Prestigeverlust würde sich der Abstieg zudem fatal auf die Bilanzen im Camp Nou auswirken. Dort ist man nach wie vor bemüht darum, den riesigen Milliardenschuldenberg abzutragen, den Ex-Präsident Josep Maria Bartomeu hinterlassen hat. Hierfür fertigte sein Nachfolger Joan Laporta einen optimistischen Etat, bei dem man in der Champions League vom Mindestziel Viertelfinale und den damit einhergehenden Prämien ausging. Diese belaufen sich auf 20,2 Millionen Euro, 9,6 für das Erreichen des Achtel-, 10.6 für den Einzug ins Viertelfinale. Schlagen Bayern und Benfica also zu, ist Barça um gut 20 Millionen Miese „reicher“.
Julian Nagelsmann kann die angespannte Lage an der Costa Brava derweil reichlich egal sein. Den Cheftrainer des FC Bayern bekümmert das Wohl seines eigenen Schiffs, das bei einem weiteren Sieg heute Abend die Gruppenphase als erst zweiter Club in der Historie des Wettbewerbs nach Real Madrid zum zweiten Mal mit voller Punkteausbeute beenden könnte. Während des Abschlusstrainings versicherte er einem spanischen Medienvertreter daher frech grinsend: „Wir wollen gewinnen, das versichere ich dir.“
Mit Blick auf Lissabon, wo das Benfica-Personal eine Light-Version der Münchner gegen Barça befürchtet, fügte der Coach noch folgende Botschaft an: „Wir werden mit der bestmöglichen Mannschaft spielen. Schönen Gruß nach Lissabon, keine Sorge.“
Echte Sorgen plagen dieser Tage lediglich den Reisetross aus Katalonien. Stellte sich nach der Inthronisierung der Vereinsikone Xavi als neuer Cheftrainer der Blugrana eine gewisse Euphorie ein, so ist diese bereits einen Monat später wieder dahin. Nach zwei Siegen und einem Remis setzte es vergangenes Wochenende gegen Real Betis die erste Pleite unter Xavi. In der Königsklasse wird ums Weiterkommen gebangt, in der spanischen Liga rangiert der Klub auf Platz sieben und hat Erzrivale Real Madrid an der Tabellenspitze bei satten 16 Zählern Unterschied bereits aus den Augen verloren.
Das Aus in der Königsklasse wäre der nächste Tiefpunkt. „Uns geht es nicht darum, jemanden rauszuwerfen“, versicherte Nagelsmann. „Aber wir wollen die drei Punkte holen. Das wäre nicht gut für Barça, das für mich nach wie vor Titelkandidat ist.“ Ob in Champions oder Europa League, zeigt sich heute.