Abu Dhabi – Roter Bulle gegen Silberpfeil, junger Wilder gegen alten Hasen. Unzählige Metaphern lassen sich finden, um das spannendste Rennen seit Jahren in der Formel 1 zu beschreiben. Denn vor dem Finale furioso in Abu Dhabi stehen Max Verstappen (24) und Lewis Hamilton (36) in der Fahrerwertung punktgleich da. Heißer könnte die Ausgangslage nicht sein, schon vor dem Showdown wird um jeden Millimeter gekämpft.
Die sportliche Ausgangslage: Lewis Hamilton hat am Freitag unter Rennbedingungen die klare Tagesbestzeit aufgestellt. Im zweiten Freien Training raste er mit über einer halben Sekunde Vorsprung auf seinen WM-Widersacher auf Platz eins.
Die historische Chance: Hamilton würde sich mit dem Titel zum alleinigen Rekord-Weltmeister machen. Bisher teilt er sich diesen Rang mit Michael Schumacher, beide stehen bei sieben WM-Erfolgen. Ex-Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel will, dass das so bleibt, daher drückt er Verstappen die Daumen. „Michael Schumacher ist mein Held. Deswegen möchte ich eigentlich nicht, dass Lewis gewinnt“, so der 34-Jährige. Und auch Formel-1-Urgestein Bernie Ecclestone ist auf der Seite des Niederländers. „Der Kampf von Max gegen Hamilton und Mercedes kommt mir ein wenig so vor wie der Kampf des kleinen gallischen Dorfes mit den Römern“, sagte er, „nur dass Red Bull gegen Ende der Saison der Zaubertrank ausgeht. Max wurde doch richtig gemobbt in letzter Zeit. Er ist viel authentischer als Lewis, das steht fest.“
Hamiltons Psycho-Tricks: Wie bei Verstappens Heim-Rennen in Zandvoort lief der Brite am Freitag in Abu Dhabi ganz im orangen Gewand auf. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt . . . Dass Hamilton nur zufällig wieder zur Nationalfarbe seines niederländischen Konkurrenten griff – höchst unwahrscheinlich. Alles, was zu Verstappens Verunsicherung beiträgt, dürfte Routinier Hamilton recht sein, der an anderer Stelle einen Pullover mit der Aufschrift „Fuck Off“ trug.
Die FIA sorgt vor: Um sich jetzt schon im Fall einer Kollision der Titelaspiranten reinzuwaschen, hat Rennleiter Michael Masi in den Event Notes eine klare Warnung an die beiden Kampfhähne ausgesprochen. Die FIA könnte beide mit Punktabzügen bestrafen, falls sie im Finale unfair fahren würden. Im schlimmsten Fall drohe sogar eine Rennsperre oder der Abzug von Punkten. Zumindest die Teamchefs zeigen Fair Play: Mercedes-Teamchef Toto Wolff und sein Red-Bull-Pendant Christian Horner reichten sich die Hände. „Viel Glück, mögen der beste Fahrer und das beste Team gewinnen“, äußerte Wolff, der mit Horner seit Saisonbeginn praktisch im Dauerclinch gelegen hatte. Horner: „Unsere Charaktere sind sehr unterschiedlich, aber wir teilen die gleiche Leidenschaft.