München – Die ersten fünf Monate seiner Amtszeit als Bundestrainer liefen für Hansi Flick (56) nach Wunsch. Sieben Spiele, sieben Siege, WM-Qualifikation rasch eingetütet, positive Begeisterung rund um die Nationalmannschaft geweckt. Doch der Löw-Nachfolger weiß auch, dass es erst 2022 richtig zählt. Die WM in Katar wird der Prüfstand. Nächste Woche geht es für eine DFB-Delegation ins WM-Land. Die Co-Trainer Danny Röhl und Marcus Sorg, Direktor Oliver Bierhoff sowie die Team-Manager Thomas Beheshti und Benedikt Höwedes fliegen mit, um sich ein Halbfinale vom Arab-Cup und drei, vier Quartiere anzuschauen. Zum Jahresabschluss sprach unsere Zeitung noch einmal ausführlich mit Flick über . . .
. . . das Abschneiden der deutschen Teams in der Champions League: „Zustände wie in England, wo drei Mannschaften in der Liga an der Spitze dicht beieinander sind, haben wir in der Bundesliga nicht. Da ist die Champions League das Spiegelbild. Die Engländer sind alle in der nächsten Runde, bei uns nur die Bayern. Das ist nicht schön für uns, weil man sich nur dort mit den Besten messen kann. Wir können nicht damit zufrieden sein, dass wieder nur ein Verein im Achtelfinale ist. Für den deutschen Fußball wäre es schon gut, wenn wir an der Spitze der Bundesliga ein paar mehr Vereine hätten.“
. . . den Meisterkampf in der Bundesliga: „Bayern ist bisher sehr souverän unterwegs. Man muss einfach sagen, dass national kein Konkurrent da ist. Von Dortmunder Seite war es am Wochenende bis zum 1:1 ein sehr gutes Spiel, danach haben sie den Faden verloren. Die vier Punkte Vorsprung sind schon eine kleine Vorentscheidung, weil andere auch nicht so stabil sind. Man merkt schon, wo eine klare Idee vorhanden ist, wo Geschlossenheit und Ruhe im Verein herrscht, das spiegelt sich auf dem Platz wider, siehe Union Berlin, Freiburg oder Leverkusen.
. . . die Haltung zum WM-Land Katar: „Wir werden uns mit verschiedenen Organisationen zusammensetzen. Wir werden gut vorbereitet sein auf das Turnier, nicht nur sportlich. Man hat es bei der Jahreshauptversammlung der Bayern gesehen, wie wichtig den Fans das Thema ist. In Katar müssen wir natürlich in erster Linie erfolgreich Fußball spielen. Aber unsere Mannschaft steht für gewisse Werte, das werden wir auch zeigen.“
. . . die Erwartungen an sein Team: „Die Mannschaft spielt mit viel Selbstvertrauen, wir haben viele Tore geschossen. Ich weiß, dass wir noch vieles verbessern müssen und werden. Mit dem Weg bisher können wir zufrieden sein. Unser Fußball macht den Fans Spaß, das wird honoriert. Wir wollen in jedem Spiel all in gehen.“
. . . Gewinner unter seiner Regie: „Wer mich kennt, weiß, dass ich immer mehr den Teamgedanken in den Vordergrund schiebe. Bei Leroy Sané freut es mich einfach, dass er die letzten zwei, drei Monate auf einem sehr hohen Niveau spielt. Deshalb hat Bayern ihn auch für sehr viel Geld verpflichtet. Die Art und Weise, wie er Fußball spielt, das macht einfach Spaß. Einige haben sicherlich überrascht wie Thilo Kehrer. Junge Spieler wie Karim Adeyemi oder Florian Wirtz haben ihre Qualität gezeigt.“
. . . die Planungen für das neue Jahr: „Wir haben nur die Länderspiel-Phasen im März, Juni und September. Das wird nicht einfach, weil uns unmittelbar vor der WM auch nur wenig Zeit bleibt. Aber diese Voraussetzungen haben alle Nationen. Für die Spiele im März haben wir mit England, Holland und Spanien gesprochen. Da warten wir noch die Nations-League-Auslosung ab. Für das zweite Testspiel hätte ich gerne eine Mannschaft von einem anderen Kontinent.“
. . . Weihnachten im Hause Flick: „Meine Eltern, meine Schwiegermutter, meine Kinder und Enkel treffen sich immer bei uns. Dann wird was Leckeres gegessen. und für die Kinder ist Bescherung. Am 26. Dezember ist dann Couch-Tag. Ich möchte keinen Stress an Weihnachten mit vielen Besuchen, sondern lieber etwas Ruhe.“
. . . seine Berühmtheit als Bundestrainer: „Ich kann noch ganz normal durch Bammental gehen. Die Art und Weise, wie die Menschen mir aktuell begegnen, ist sehr positiv. Ich genieße es, weil mir der Job sehr viel Spaß macht. Bei all dem Druck, den jeder hat, herrscht eine gute Stimmung rund um die Nationalmannschaft.“