Diese Saison stand unter besonderen Vorzeichen: Es hatte im Sommer Trainerwechsel in nie erlebter Vielzahl gegeben, kurioserweise vor allem bei den besseren Clubs und in manchen Fällen sogar mit einer satten Ablöse. Auch wir fragten angesichts dieser Konstellation, ob es überhaupt so schnell zu den üblichen Trainerwechseln kommen wird. Denn wer mit großen Erwartungen eingestellt wird, der genießt ja erst mal einen Bonus – und ein Manager, der was auf sich hält, würde sich einen Fehler nicht in dem Moment eingestehen, in dem er ahnt, dass es einer gewesen sein könnte.
15 Spieltage sind um, dreimal hat ein Club bereits die Bremse gezogen: Wolfsburg bei Mark van Bommel, die Hertha bei Pal Dardai, Leipzig bei Jesse Marsch. Zwei Trainer waren Liganeulinge. Alle fünf Spieltage also eine Entlassung/Freistellung. Bleibt es bei diesem Rhythmus, käme die Bundesliga auf vier weitere Eingriffe im Spieljahr 2021/22. Insgesamt wären es dann sieben. Vorige Saison krachte es in neun Vereinen (gut, bei Schalke 04 alle paar Wochen), und wahrscheinlich wird es wieder auf diese Dimension hinauslaufen. Denn jetzt beginnt die gefährliche Jahreszeit: die des Bilanzziehens zur Winterpause. Traditionell sagen manche Clubs auch: Warten wir noch zwei, drei Spieltage der Rückrunde ab. Tipp: Ende Januar wird die Bundesliga die übliche Quote erreicht haben. Dann greift Panik um sich.
Ließe sie sich überhaupt vermeiden in einem Wettbewerb, der so konstruiert ist, dass es Verlierer geben muss, die ihre Ziele verfehlen? Ja, vielleicht sind Trennungen von Trainern mathematisch unausweichlich. Dennoch ist es verwunderlich, wie Stellen bisweilen besetzt werden. Etwa Florian Kohfeldt beim Champions-League-Club Wolfsburg: War der Niedergang mit Werder Bremen nicht abschreckend genug? Welche Vision soll sich mit ihm verbinden lassen? Dass bei der Verpflichtung von Spielern mit gewissem Wagemut und der Hoffnung auf Glückstreffer vorgegangen wird, kann man noch verstehen. Manche Trainerwahl indes nicht. Auch Leipzig war bei Jesse Marsch naiv.
Profifußball ist manchmal erstaunlich unprofessionell.
Guenter.Klein@ovb.net