Crailsheim – Am Ende waren die Basketballer des FC Bayern wohl einfach nur noch froh, dass auch dieses böse Spiel endlich ein Ende gefunden. Bei den Crailsheim Merlins waren die Münchner, bei denen Trainer Andrea Trinchieri pausierte, beim 68:77 (37:40) ähnlich chancenlos wie zuletzt im internationalen Geschäft.
Crailsheims Trainer Sebastian Klein hatten die jüngsten Geschehnisse ja schon im Vorfeld ziemlich selbstbewusst gemacht. Klar, man hatte es mit einem, von der Euroleague-Abfuhr gegen Baskonia angeschlagenen Gegner zu tun. Und selbst – fegte am Donnerstag Ex-Meister Bamberg mit 93:79 aus der Halle. „Ich würde jetzt nicht gerne gegen Crailsheim spielen“, tönte Klein.
Es wurde ziemlich schnell deutlich, was er damit meinte. Die Merlins rauschten wie ein Tornado über das Feld. Was die matten Münchner in den ersten Minuten auch versuchten – sie kamen zuverlässig mindestens einen Schritt zu spät. Heraus sprang ein fürchterliches Viertel (11:22), in dem die gute Nachricht des Tages fast untergegangen wäre. Leon Radosevic ist wieder da. Nach sechs Monaten Verletzungpause schnupperte der Deutsch-Kroate erstmals wieder Basketball. Doch das Comeback währte ganze zwei Minuten.
Normalerweise müsste bei angeknacksten Bayern Vladimir Lucic helfen. Doch der Serbe pausierte genauso wie Nick Weiler-Babb und Augustine Rubit. Aber es fand sich ja ein Mann, der sich gegen Crailsheim stemmte. KC Rivers kam und KC Rivers traf. 17 der 26 Bayern-Punkte im zweiten Viertel sammelte er ein – viel hätte nicht gefehlt und der US-Profi hätte sein Privatduell mit den Gastgebern noch bis zur Pause zu einer Münchner Führung ausgedehnt.
Aber wirkliches Leben konnte auch Rivers den Bayern nicht einhauchen. Im Gegenteil, TJ Shorts, der kleine Wirbelwind mit der neckischen Dennis-Schröder-Gedächtnis-Tolle, nahm den Münchnern das Heft wieder aus der Hand. 21 Punkte, fünf Assists – der große Crailsheimer Abend hatte ziemlich viel mit ihm zu tun. Den bemerkenswert lauten 750 zugelassenen Fans gefiel es jedenfalls, was er da tat.
Die Münchner fanden erst im Schlussabschnitt ihre Mittel, um die Merlins zumindest ein bisschen auszubremsen. Man packte in der Defensive ein bisschen mehr zu. Das half, auch wenn sich die Spielmacher Zan Mark Sisko und Corey Walden vorzeitig mit dem fünften Foul verabschieden musste. Und vorne half auch der, vom Schnauzbart befreite Nationalspieler Andi Obst, der das Spiel mit seinem 300. Dreier in der BBL fast noch einmal gekippt hätte (58:62).
Doch an diesem Abend fehlte den Bayern Konzentration und Sicherheit, um die stark aufspielenden und aufopferungsvoll kämpfenden Crailsheimer noch einmal ernsthaft zu gefährden. KC Rivers, der mit Abstand beste Münchner hatte keine Erklärung für das Loch seines neuen Teams: „Irgendwie ist das Energie-Level nicht hoch genug.“