„Auf Dauer ist unsere Arbeit gefährdet“

von Redaktion

Oberstdorfs OK-Chef und Tournee-Präsident Peter Kruijer über Großereignisse ohne Zuschauer

Herr Kruijer, Tourneespringen in Oberstdorf. Ist Ihre Stimmung Juhuu, oder doch Oje?

(lacht) Ein bisschen von beidem, würde ich sagen. Juhuu, weil wir die besten Springer der Welt hier haben. Oje, wegen der leeren Ränge. Das ist schon sehr bitter.

Die Entscheidung fiel relativ spät. Ist der Schaden größer als im Vorjahr?

Naja, wenn man sich die Entwicklung der Pandemie angeschaut hat und die Reflexe der Politik, dann hat man schon erahnen können, dass es so kommt. Wir haben uns in den Planungen früh darauf eingestellt. Wobei man auch sagen muss, dass wir es mit unserem Stadion schon leichter haben als etwa die Kollegen in Partenkirchen.

Kann man beziffern, was durch die Aussperrung der Zuschauer verloren geht?

Das ist für mich noch schwer zu sagen. Vor allem: wo zieht man die Grenze? Da sind die Zuschauereinnahmen, das Catering im Stadion. Von den Helfern, die nicht dabei sein dürfen, rede ich gar nicht. Aber dem ganzen Ort geht ja viel verloren. Auch wenn wir das Glück haben, dass Oberstdorf in dieser Zeit immer voll ist. Bis jetzt haben wir das Glück, dass wir eine Versicherung haben, die den Ausfall auffängt. Aber das wird nicht auf Dauer so sein.

Im Vorjahr blieb neben der Tournee auch die Nordische WM ohne Zuschauer, jetzt die Tournee und die Tour de Ski. Wie groß ist das Problem für die Arbeit Ihres Clubs?

Groß. Wir finanzieren mit diesen Einnahmen die Jugendarbeit. Es gibt so viele Nachwuchsathleten, die trainiert werden wollen. Die Busse brauchen, um zu Wettkämpfen zu kommen. Da wird tolle Arbeit gemacht. Das sieht man ja auch daran, wie viele Topathleten aus Oberstdorf gerade vor allem im Nordischen Bereich unterwegs sind. Diese Arbeit ist auf Dauer gefährdet, wenn …

… Bitte?

Naja, wir hoffen schon, dass wir vielleicht schon beim Skifliegen im März wieder Zuschauer haben können.

Interview: Patrick Reichelt

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