Bormio/Lienz – Seit Montag hat der Skirennläufer Aleksander Aamodt Kilde zumeist Fragen nach dem Gesundheitszustand seiner Freundin beantworten müssen: Mikaela Shiffrin ist mit dem Coronavirus infiziert und befindet sich nach wie vor in Isolation. Es gehe ihr gut, antwortete er dann in der Regel knapp. Am Mittwoch aber stand Kilde selbst im Mittelpunkt – nach einem bemerkenswerten Sieg.
Während die fünf deutschen Starter beim ersten von zwei Super-G im italienischen Bormio mit ihren Platzierungen ab Rang 19 enttäuschten, ritt Kilde die wilde Stelvio wie ein unerschrockener Cowboy einen ungezähmten Bullen. „Es war am Limit, aber es hat genau gepasst“, sagte der 29 Jahre alte Norweger in der ARD, wo ihn Experte Felix Neureuther lobte: „Der ist eine Maschine.“
Kildes Freundin Shiffrin ist bis zum Slalom am 4. Januar in Zagreb zum Zuschauen verurteilt, in ihrer Abwesenheit gewann ihre Dauerrivalin Petra Vlhova das Rennen auf dem Schlossberg im österreichischen Lienz. Für die Slowakin, die vor Weltmeisterin Katharina Liensberger (Österreich) und Michelle Gisin (Schweiz) gewann, war es der dritte Saisonsieg. Lena Dürr aus Germering enttäuschte auf Rang 18.
Kilde, der sich erst im Januar das Kreuzband gerissen hatte, feierte bereits seinen vierten Saisonsieg, sein Vorsprung auf Überraschungsmann Raphael Haaser (+0,72 Sekunden) und dessen österreichischen Teamkollegen und Doppelweltmeister (+0,85) war deutlich. „Er hat es gnadenlos durchgezogen“, lobte Neureuther den Sieger, der seinerseits sagte: „Es macht Spaß, wenn es so geht.“
Bei den Deutschen gab es am Tag nach dem hervorragenden fünften Rang von Dominik Schwaiger in der Abfahrt dagegen lange Gesichter. „Das war besser als gestern, aber auch nicht das, was ich mir vorstelle“, sagte Andreas Sander als bester Deutscher (19.). Dem WM-Zweiten in der Abfahrt folgten Josef Ferstl (21.), Simon Jocher (22.) und Vizeweltmeister Romed Baumann (26.). Schwaiger schied aus.
Sander und Baumann haben mit ihren WM-Erfolgen auch die eigenen Erwartungen hochgeschraubt, doch gerecht werden sie und ihre Teamkollegen diesen derzeit nicht – oder nur in Ansätzen. „Sie können es ja, sie haben das Potenzial“, beteuerte Experte Neureuther, „aber es passieren Fehler, die nicht passieren dürfen.“ Immerhin sind alle fünf deutschen Abfahrer bereits für Olympia qualifiziert.
Auch Lena Dürr hat sich die Fahrkarte nach Peking bereits gesichert, auch sie hat Erwartungen geweckt: Zweimal fuhr sie zu Saisonbeginn als Dritte aufs Treppchen, im dritten Slalom wurde sie Fünfte – im vierten lief es wie so oft in der Vergangenheit nicht nach Wunsch. „Es ärgert mich brutal“, sagte Dürr, nachdem sie in beiden Läufen gut gestartet war, dann aber jeweils patzte. Marlene Schmotz als 36. und Jessica Hilzinger als 47. verpassten das Finale. Nachwuchshoffnung Emma Aicher schied nach einem Fahrfehler im ersten Durchgang aus. sid