„Es geht in die falsche Richtung“

von Redaktion

Analyse der Münchner DEL-Krise – Sieben Niederlagen bei acht Verlängerungen

VON GÜNTER KLEIN

München – Es ist den Clubs der Deutschen Eishockey Liga wichtig, nicht nur im Pay-TV stattzufinden, sondern auch im „richtigen“ Fernsehen, in den Morgenmagazinen von ARD und ZDF etwa. Dort wurde am Mittwoch vermeldet: Spitzenreiter Berlin gewinnt, Verfolger Mannheim lässt Punkte liegen, auch Wolfsburg als Dritter wird noch erwähnt. Der EHC München kommt nicht mehr vor. Er ist Fünfter. Eher Mittelmaß denn top. Das 2:3 nach Penaltyschießen am Dienstag beim Schlusslicht Schwenningen war im 30. Saisonspiel die 15. Niederlage.

Wild-Wings-Coach Christof Kreutzer freute sich, „dass Don Jackson mal gratulieren muss, das hat man nicht so oft, wenn man gegen München spielt“, doch beim EHC ist zum Jahresausklang – letztes Spiel heute (19.30 Uhr) zu Hause gegen Iserlohn – keine heitere Gelassenheit festzustellen. „Es ist bitter momentan, es geht in die falsche Richtung“, meint EHC-Kapitän Patrick Hager. Von den vergangenen acht DEL-Matches gingen sieben verloren. An wem oder woran liegt es? Torhüter: Trainer Jackson lobte Danny Aus den Birken (36) in Schwenningen als „super“, auch über Daniel Fießinger (25) verliert er nie ein schlechtes Wort. Das ist Gesetz in der Kabine und außerhalb: Keine Kritik an den Goalies. Doch es gibt neutrale Zahlen, sie sprechen gegen das EHC-Duo. Beide liegen unter der durchschnittlichen Fangquote in der Liga (90,22 Prozent), der für seine private Datenbank berühmte Statistiker Markus Reinhold führt in seiner detailliertesten Auswertung Aus den Birken auf Platz 29 und Fießinger als 33. unter 38 Torstehern.

Defensivarbeit: In guten Jahren waren beim EHC alle Spieler im Plus, standen bei mehr selbst erzielten als erhaltenen Treffern auf dem Eis. Aktuell im Minus sind Maxi Kastner, Patrick Hager, Philip Gogulla, Yannic Seidenberg, Frank Mauer, Daryl Boyle. Oft wird der EHC von Kontern überrascht – eine Gefahr des Spielsystems von Don Jackson. „Es ist wirklich hart, gegen München das Tor zu verteidigen“, betont Christof Kreutzer die offensive Intensität des EHC. Aber: Bei Scheibenverlusten stehen die Münchner blank da.

Offensive: Jackson hat nur zwei funktionierende Sturmreihen (Tiffels, Street, Parkes – Ehliz, Hager, Ortega), die durch Ausfälle in Schwenningen (Ehliz, Tiffels) aber auseinandergerissen wurden. Underperformer im Abschluss sind die Nationalspieler Frank Mauer und Justin Schütz (je erst ein Tor). Und die aus der Red-Bull-Akademie nachgerückten jungen Spieler haben nicht das Talent eines John Peterka, der nach Amerika gegangen ist.

Kondition: Fünfmal musste der EHC in die Verlängerung, dreimal zusätzlich ins Penaltyschießen – er gewann nur eine Overtime, keinen Shoot-out. Mit einem verwandelten Penalty von 13 ist man schlechtestes Team der DEL. Sieht aus, als ginge dem auch international beanspruchten EHC einfach oft der Strom aus.

Artikel 6 von 11