Auf eine Tasse Tee mit dem Sir

Erfolgstrainer Alex Ferguson wird 80 – Weiter Einfluss bei Manchester United

VON GÜNTER KLEIN

München – Ottmar Hitzfeld, dem früheren Bayern-Trainer, waren Umgangsformen immer wichtig. Als er mit seiner Mannschaft in der Champions League dann erstmals im Stadion Old Trafford spielte, staunte jedoch auch der deutsche Fußball-Gentleman über diesen speziellen Brauch: Sir Alex Ferguson, sein Amtskollege bei Manchester United, lud ihn, bevor die Partie angepfiffen wurde, in sein Kämmerlein ein – auf eine Tasse Tee.

Am Silvestertag 2021 wird Ferguson 80 Jahre alt, und dieser runde Geburtstag muss in einem deutschen Medium erwähnt werden, denn Sir Alex schaffte es auch hierzulande zur Marke. Er war schon der Chef bei United, als es in England noch gar nicht die Gelddruckmaschine Premier League gab (1986 übernahm er) und deutsche Fans in der „Sportschau“ Ausschnitte vom urwüchsigen Fußball von der Insel verfolgten. Er war der Coach, der die Bayern 1999 in der Mutter-aller-Niederlagen-Nacht in Barcelona verzweifeln ließ (bei späteren Gelegenheiten dann aber umgekehrt die Münchner auch ihn), und er amtierte bis 2013. Die neue Trainergeneration klappte da längst ihre Laptops auf, Ferguson kochte zur Spielvorbereitung Tee. Oder gut: Er ließ ihn servieren.

Er hat alles bestimmt bei Manchester United. Im englischen Fußball sind Trainer nicht nur Übungsleiter, sondern sie tragen tiefgehende Personalverantwortung, stellen ein, verhandeln Gehälter, entlassen. Felix Magath hat zu seiner Wolfsburger Zeit (2007 bis 09) dieses Modell auf Wolfsburg übertragen. Aber was sind zwei Jahre und eine Meisterschaft gegen 27 Jahre und 38 Titel auf allen Ebenen? Selbst Louis van Gaal, einer von Hitzfelds Nachfolgern in München, war so beeindruckt vom Wirken Fergusons, dass er ihn neben dem Spanier Vicente del Bosque, Jose Mourinho und sich selbst als fähigen Trainer anerkannte. Doch im Kosmos der Stadt Manchester war Ferguson dann noch etwas größer: Sowohl Mourinho als auch van Gaal scheiterten bei United.

Dass Ferguson aus Schottland stammte, war für manche deutsche Journalisten eine leidvolle Erfahrung, denn bei internationalen Presserunden unternahm er keine Anstalten, seinen Slang zu entschärfen. Unklar bleibt in diesem Zusammenhang auch, wie Ottmar Hitzfeld mit ihm eine verständliche Tee-Konversation führen konnte.

Gegenüber den Spielern pflegte Ferguson, ein Mann ohne jede äußerliche Exzentrik, ein autoritäres Auftreten, doch das half ihm, seine Stars zu zügeln. Cristianos Weltkarriere nahm in den Jahren unter Ferguson ihren Anfang, auch David Beckham profitierte vom strengen Lehrmeister – und nahm hin, dass in der Kabine schon mal ein Schuh auf seinen Kopf zufliegen konnte. Beschwerden über den cholerischen Coach wären ohnehin aussichtslos gewesen – er hatte ein Top-Standing bei den Fans und beim Verein. Vor Old Trafford wurde folglich eine Sir-Alex-Statue errichtet – und noch immer wird Ferguson der Einfluss nachgesagt, dass das Heben oder Senken seines Daumens personelle Fragen im Club entscheiden könne.

2016 lud ihn die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur nach Nürnberg ein, Ferguson wurde der Walther-Bensemann-Preis (benannt nach dem Erfinder des „kicker“) für sein Lebenswerk überreicht, es war der krönende Programmpunkt eines langen Abends, den Sir Alex duldsam absaß. Ohne Tee, aber bester Laune, ganz Sir.

Samstag, 11. Juli 2026
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