Sportfunktionäre 2021

Das Jahr der Führungskrisen

von Redaktion

ARMIN GIBIS

Man hat sich inzwischen schon fast daran gewöhnt, dass es hinter den Kulissen des Sports – dort also, wo die Funktionäre die Regie führen – selten so richtig erfreulich zugeht. Und dennoch machte sich 2021 – gerade hierzulande – in dieser Hinsicht das Gefühl breit: So schlimm war es noch nie. Schließlich ist es einmalig in der deutschen Sportgeschichte, dass die beiden wichtigsten Führungsfiguren – DFB-Präsident Fritz Keller und DOSB-Präsident Alfons Hörmann – krachend scheiterten und sich von ihrem Spitzenamt verabschiedeten. Zur Erinnerung: Der deutsche Sport galt einst als hochseriös. Davon ist erschreckend wenig übrig geblieben.

Dabei zieht sich die Führungsschwäche des DFB als Dauerkrise durch die letzten eineinhalb Jahrzehnte. Angefangen mit Theo Zwanziger (Amtszeit: 2006 bis 2012), über Wolfgang Niersbach (2012 bis 2015) und Reinhard Grindel (2016 bis 2019) bis nun zu Fritz Keller (2019 bis 2021) – sie alle fanden als DFB-Präsident ein unrühmliches Ende. Geradezu grotesk war dabei der Kleinkrieg, den sich Keller mit seinem Generalsekretär Friedrich Curtius und dem DFV-Vize Rainer Koch lieferte. Ein Nazivergleich besiegelte schließlich Kellers vorzeitiges Ende, auch Curtius ging. Was blieb, war ein massiver Imageschaden des größten Fußball-Verbandes der Welt.

Ein bedauerliches Bild gab auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ab, nachdem sein Chef Alfons Hörmann durch eine anonyme E-Mail in Bedrängnis geraten war. Zwar entlastete ihn eine Studie vom Vorwurf, eine „Kultur der Angst“ gestiftet zu haben. Doch in seiner Gegnerschaft hatte sich so viel Unzufriedenheit mit seiner Amtsführung angesammelt, dass der Allgäuer resigniert weichen musste. In einem von Pandemie und Einschränkungen schwer überschatteten Jahr, wäre es für den deutschen Sport sicher wünschenswert gewesen, wenn sich die Energien ganz auf die Bewältigung der akuten Probleme hätten konzentrieren lassen.

Auch international gaben die prominentesten Sportführer eine unglückliche bis miserable Figur ab. Selbst wenn die Geisterspiele in Tokio als Erfolg in schweren Zeiten zu werten sind, so tut sich IOC-Präsident Thomas Bach weiterhin schwer, das enorm in die Kritik geratene Olympia glaubwürdig zu vertreten. Sein umstrittener Umgang mit China ist ein bezeichnendes Beispiel dafür.

Schon seit längerem unheilbar an Gier und Profitsucht erkrankt erscheint der Profi-Fußball. FIFA-Präsident Gianni Infantino und UEFA-Chef Aleksander Ceferin ließen auch 2021 kaum eine Gelegenheit aus, sich für verstärkte Gewinnmaximierung ins Zeug zu legen. Ihr Credo lautet: mehr Geld durch mehr Fußball. Rücksicht auf die Belastbarkeit der Spieler oder Fans, denen diese totale Kommerzialisierung immer mehr missfällt, wird dabei nicht genommen. Infantinos Vorhaben, die WM alle zwei Jahre auszutragen, führte in diesem Jahr schließlich dazu, dass Ceferin, der um seine UEFA-Pfründe fürchtet, zum erbitterten Konkurrenten wurde.

Ja, das skrupellose bzw. dilettantische Treiben der höchsten Sportfunktionäre war 2021 nur schwer erträglich. Ob da 2022 Besserung eintritt? Ehrlich gesagt: Die Hoffnung ist gering.

Armin.Gibis@ovb.net

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