„Größerer Gegner als wir“ – Abbruch der Junioren-WM

von Redaktion

Eishockey-Weltverband will Turniere in den Sommer verlegen – Münchner Peterka feiert in Buffalo sein NHL-Debüt

Edmonton/München – Der Münchner John-Jason Peterka (19) hätte das entsprechende junge Alter gehabt, um noch für Deutschland bei der WM der Eishockey-U20-Junioren in Edmonton anzutreten. Von seinem Arbeitgeber, den Buffalo Sabres, erhielt er dafür keine Freigabe – und was vor ein paar Wochen noch wie eine harte Entscheidung wirkte, darf seit Mittwochabend als eine vorausschauende gelten: Erstmals setzte Buffalo seine Neuerwerbung aus Germany in einem NHL-Spiel ein – während die Junioren-WM, kurz bevor Deutschland gegen Kanada aufgelaufen wäre, vom Weltverband IIHF abgebrochen wurde. Beides eine Folge der Corona-Pandemie.

Peterka, der bisher im Farmteam Rochester Americans gespielt hatte (respektable 20 Scorerpunkte bei 23 Auftritten), erhielt den Call zur Mutterorganisation, weil die Sabres den Kader wegen einiger durch Infektion ausgefallener Spieler auffüllen mussten. Beim 3:4 gegen die New Jersey Devils bekam er 16 Minuten Eiszeit – ordentlich für einen Debütanten. Buffalo konnte einen Spielausfall vermeiden, bereits über 70 NHL-Matches mussten verlegt werden, die Omikron-Variante macht sich im Eishockey in Nordamerika breit. So auch bei der U 20-WM: Nacheinander fielen Schweiz – USA, Finnland – Tschechien und Russland – Slowakei positiven Tests bei Spielern zum Opfer. Auch Deutschland hat einen Fall, der Spieler darf noch nicht nach Hause reisen.

Am 15. Dezember waren die zehn Teams vor Ort eingetroffen, sie bewegten sich in einer Bubble – dennoch konnte das Virus eindringen. Der neue IIHF-Präsident, der Franzose Luc Tardif, formulierte schließlich als Leitsatz: „Safety First.“ Für die Spieler und alle, die rund um das Turnier arbeiten, das in Nordamerika einen so hohen Stellenwert hat wie eine A-Weltmeisterschaft. Das Fachpublikum hatte sich gefreut auf den Kanadier Owen Power (19), den Nummer-eins-Draft-Pick des Peterka-Clubs Buffalo (allerdings wurde mit Power noch kein Vertrag geschlossen), und das gerade 17 gewordene Russen-Wunder Matwej Mitchkow, das sogar schon erste A-Länderspiele bestritten hat. Doch nach fünf Power-Scorerpunkten und drei Mitchkow-Toren in je zwei Partien ist die Show der Toptalente beendet.

IIHF-Chefmediziner Dr. Matt Robins sagte: „Wir müssen die Gefahr für die Gesundheit der Sportler ernst nehmen.“ Zudem verzerre sich der sportliche Wettbewerb. Und: Es geht natürlich auch ums Geld. Die U 20-WM ist ein Premium-Senderecht des Welt-Eishockeys. Darum will Luc Tardif es „neu ansetzen“, schließlich stünden die Monate Juni bis August zur Verfügung. Den Altersstichtag verschiebt die IIHF entsprechend nach hinten. Wer jetzt spielberechtigt war, wird es auch bei der angestrebten Neuauflage sein. Fünf weitereTurniere bei Frauen- und Junioren will die IIHF ebenfalls verschieben.

„Wir haben es mit einem Gegner zu tun, der nicht auf dem Eis steht, aber größer ist als wir alle“, erklärte Tom Renney, der kanadische Verbands-Präsident. Und IIHF-Vize Petr Briza aus Tschechien, ehemals Torwart in Landshut, sagte: „Wir haben eine Schlacht verloren, aber nicht den Krieg.“ GÜNTER KLEIN

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