„Wir kommen“

Fatih Arda Ipcioglu etabliert sich als erster Türke im Skisprung-Weltcup

Oberstdorf – Am Ende konnte nicht einmal mehr der Regen die Laune von Fatih Arda Ipcioglu trüben. Der 24-Jährige stapfte mit breitem Grinsen durch den Auslauf der Oberstdorfer Arena. Weil er halt auch wusste, dass ihm im Schatten der Stars wie Ryoyu Kobayashi und Halvor Egner Granerud mit Platz 29 ein besonderer Coup gelungen war.

Nie war ein Türke bei einem Weltcupspringen so hoch hinaus gekommen, schon gar nicht beim Highlight Tournee. Doch diese ersten beiden Pünktchen sollen für ihn auch nur der Anfang sein. „Wir Türken kommen“, krähte er im Allgäu fröhlich in die Kameras.

Wobei die Geschichte dieses Fatih Arda Ipcioglu tatsächlich eine spezielle ist. Aufgewachsen ist er in Erzurum. In der Metropole Ostanatoliens wurde vor der Winter-Universiade 2011 auch eine moderne Schanzenanlage errichtet. Und weil es Ipcioglu immer zu den etwas anderen Sportarten zog, hat er sich eben als Springer versucht. Es kümmerte ihn nicht, dass er vor allem Kopfschütteln kassierte. Nicht zuletzt auch von seiner Mutter, der die Sache auf der Schanze irgendwie doch viel zu gefährlich erschien. Erst recht, als es den kleinen Fatih einmal so in den Auslauf bretterte, dass er sich ein Bein brach.

Ipcioglu hat sich nicht aufhalten lassen. Und machte seine Sache immerhin so gut, dass der türkische Verband ihn förderte. Weil er 2017 auf der heimischen Schanze mit Platz 12 im zweitklassigen Continental Cup überraschte, schickte man ihn zu den Olympischen Spielen nach Pyeongchang. Bei der Eröffnung durfte er die türkische Fahne ins Stadion tragen. Dass er auf der Normalschanze Letzter wurde, störte ihn nicht. Es war ein Erlebnis, das er wiederhaben will.

Dass es nun in Peking tatsächlich so kommt, hat wohl vor allem mit einem Mann zu tun. Mit dem Slowenen Frank Nejc nämlich, der 2018 den Finnen Pekka Niemelä als türkischer Nationalcoach beerbt hat. Nejc verschaffte seinen Schützlingen – neben Ipcioglu versucht sich derzeit auch Muhammet Irfan Cintimar bei der Tournee – vor allem ideale Trainingsbedingungen. Statt in Erzurum übt das kleine Team nun vor allem in Nejcs Heimat Slowenien, auf den Spuren von Peter Prtevc & Co.

Und das zeigt Wirkung. In dieser Saison schaffte Fatih Arda Ipcioglu auch schon in Nishni Tagil, Ruka und Klingenthal den Sprung in den Wettbewerb. Und nun also das Finale von Oberstdorf. Das für ihn auch nur eine Durchgangsstation in seiner ungewöhnlichen Karriere sein soll, wie er sagte: „Wir haben die Zukunft noch vor uns.“ PATRICK REICHELT

Samstag, 11. Juli 2026
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