München – „Es ist für uns wie ,Groundhog Day“, sagt Don Jackson, der amerikanische Trainer des EHC München. Und wer je den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ sah, weiß, was der Eishockey-Coach Jackson meint: den Murmeltiertag, den der Protagonist Bill Murray in immer wiederkehrenden Variationen erlebt. Wie der EHC München seit einigen Wochen seine Spiele in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). „Egal ob wir geführt oder hinten gelegen haben – es gibt Verlängerung und Penaltyschießen.“ Zum Jahresauswechsel hat sich das wiederholt. Ebenso, dass die Münchner nicht in der Lage sind, ein in die Overtime gehendes Spiel für sich zu entscheiden. Sie verloren wie schon gegen Schwenningen und Iserlohn am Sonntag auch in Wolfsburg nach Penaltyschießen – Endstand: 3:4. Im Shoot-out traf in sieben Durchgängen nur Philip Gogulla. Torschützen in der regulären Spielzeit waren Smith, Boyle und Parkes.
Die Lage ist ernst – was für den EHC bedeutet, dass er Gefahr läuft, einen der Top-Vier-Plätze und somit das Heimrecht in einer ersten Playoff-Runde zu verspielen. Die Fans murren schon länger ob der Personalpolitik , die ihnen zu verhalten erscheint. Es gibt keine durchschlagskräftige vierte Sturmreihe, auch die Verteidigung erscheint zu dünn besetzt. Und das Torhüter-Duo Aus den Birken/Fießinger ist allenfalls DEL-Mittelmaß.
Über den Jahreswechsel hat der EHC nun aber nachgelegt und einen Abwehrmann aus Finnland verpflichtet: Andrew O’Brien, einen 29-jährigen Kanadier von Jyp Jyväskylä. Zudem wird wohl ein Torwart kommen: Henrik Haukeland (27). Der norwegische Nationaltorhüter spielt bei Färjestads BK Karlstad in Schweden.
O’Brien nimmt die Planstelle ein, die der EHC lange für Keith Aulie freigehalten hatte. Doch der wird aus privaten Gründen in dieser Saison kein Eishockey spielen. Aulie stand mit 1,98 Meter Größe und einem Gewicht von 105 Kilogramm für die physische Komponente im Münchner Spiel. Und dafür wird auch O’Brien geholt, dessen Werte 1,93 m und 100 kg lauten. „Ich bin unter anderem für meine Physis bekannt“, sagt er.
Diese Einschätzung wird durch seine Karrierestatistik untermauert. O’Brien hat es – wie viele Spieler, die in der DEL landen – nie in die NHL geschafft. Zwar wurde er hoch gedraftet (2012 von Anaheim in der vierten Runde), doch zu einem Vertragsabschluss kam es nie. 2019 wechselte O’Brien nach Europa, spielte eine Saison für den norwegischen Club Stjernen, für den er zwar ordentlich punktete (zehn Tore, 35 Vorlagen in 41 Spielen), allerdings auch eine unfassbare Strafzeitenbilanz hinterließ: 309 Minuten lassen auf eine kurze Zündschnur schließen.
2020/21 zog O’Brien durch drei Ligen (russische KHL, Norwegen, Schweden), in der laufenden Saison spielte er für Jyväskylä in Finnland diszipliniert (34 Strafminuten in 28 Partien), doch er stand bei weitaus mehr Gegentoren als Treffern seines Teams auf dem Eis. Minus 18 – keine gute Bilanz. Am Sonntag gab O’Brien seinen Einstand beim EHC. „Ich muss mich an das Sstem gewöhnen.“ Er bekam etwas mehr als neun Minuten Eiszeit. Nicht viel.
Tormann Haukeland, dessen anstehenden Wechsel das „Värmsland Folkblad“ vermeldete, war bei Färjestad zuletzt nur die Nummer zwei.