Angriff am Schicksalsberg

von Redaktion

DSV-Springer wollen an der 3. Tourneestation zumindest ihr Innsbruck-Trauma ablegen

VON PATRICK TORRES

Innsbruck – Es gibt unnütze Fragen, die stellt man sich nicht. Und so wollte sich auch Markus Eisenbichler gar nicht weiter damit befassen, ob er am Innsbrucker Bergisel vielleicht auch im heutigen Wettkampf (13.30 Uhr) noch einmal mit solchen Traumbedingungen rechnen kann, wie im gestrigen Training. Bis auf 139 Meter war der Siegsdorfer da ins Tal gesegelt, einen Meter weiter als einst Michael Hayboeck bei seinem Schanzenrekord.

„Ich kann es eh nicht ändern. Soll ich dann eine SMS an Petrus schreiben und sgen: Du Spezi, kannst du ein bisschen mehr Sonnenschein machen? Das geht leider nicht“, scherzte er.

Was aber auch irgendwie zu Eisenbichlers Herangehensweise in diesen Tagen passt. Der 30-Jährige ist merklich darum bemüht den Fokus auf sich selbst und dem nächsten Sprung zu behalten. Damit ist er zuletzt als Fast-Sieger von Partenkirchen auch gut gefahren.

Und so soll es nun auch auf einer Schanze sein, die als die kniffligste der Tournee gilt. Warum das so ist, das hat nicht zuletzt Eisenbichler schon vor dem Umzug nach Österreich erklärt. Und dabei geht es nicht nur um die schwer berechenbaren Winde, die über den Berg streichen. Es geht um die futuristische Schanze selbst. Ihr Anlauf wirkt steiler, der Tisch länger, auch wenn er es tatsächlich nicht ist. „Da besteht immer die Gefahr, dass man zu spät dran ist“, berichtete Eisenbichler.

Selten, dass die deutschen Springer an der Herausforderung Bergisel nicht zerbrochen sind. Die WM 2019 war so eine Ausnahme. Doch die stieg im Spätwinter, bei warmen Temperaturen und damit besten Flugbedingungen. Ansonsten war der, mittlerweile nicht einmal in der nationalen Gruppe geführte Richard Freitag der einzige DSV-Adler seit Sven Hannawald, der den berüchtigten Bergisel knackte.

Bundestrainer Stefan Horngacher hat seine Schlüsse gezogen und hat mit seinem Kader im Sommer einige Extraeinheiten in Innsbruck eingelegt. Im Detail hat er mit Eisenbichler, Karl Geiger und Kollegen am optimalen Bergisel-Sprung getüftelt. Auch Altmeister Severin Freund fand es gut. „Das kann schon helfen, wenn man mit einer Idee anreist, was man zu tun hat“, sagte der Münchner. Horngacher jedenfalls sah sich durch den Qualifikationstag bestätigt. Während sich die deutschen Springer in den vergangenen Jahren meist erst im Wettbewerb mit dem Bergisel anfreundeten, glückte ihnen gestern zumindest mannschaftlich schon ein ordentlicher Auftritt (siehe Text unten). „Wir sind deutlich näher dran“, sagte der Bundestrainer.

Im heutigen Wettbewerb will man noch einen Schritt weitergehen. Was vor allem für Geiger sicher ein Akt der Befreiung wäre. Der Oberstdorfer knabberte auch zwei Tage nach dem Durchhänger in Partenkirchen noch merklich an den neuerlich denkbar frühzeitig verspielten Tourneechancen.

Dem im Aufwind befindlichen Eisenbichler ergeht es da schon besser. Und zumindest für ihn gibt es ja auch noch Ziele bei dieser Tournee. Ryoyu Kobayashi, der gestern den reparierten Pokal für seinen Sieg in Partenkirchen entgegennahm, scheint zwar enteilt zu sein. Doch das Tournee-Podium, mit dem sich der Siegsdorfer offiziell freilich nicht befassen will, scheint allemal noch in Reichweite.

Stefan Horngacher jedenfalls will in Innsbruck und Bischofshofen noch ausreizen, was die 70. Vierschanzentournee zu bieten hat. „Wir werden die Flinte nicht ins Korn werfen und sagen, es ist alles sch… “, betonte Horngacher gestern „die Tournee geht erst in Bischofshofen zu Ende.“

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