Fußballer auf Blitz-Weltreisen

Fahrlässig oder gut für die Seele?

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

„Profifußballer, die ausgelassen ohne Maske Urlaub und Silvester feiern und Tage später positiv getestet werden. So etwas ist kein Schicksal, sondern Dummheit. Und es ist grob fahrlässig dem Team gegenüber.“ Das hat auf Twitter wortwörtlich Raphael Brinkert so geschrieben. Kein Unbekannter: Er hat mit seiner PR-Kampagne der SPD zum Sieg bei der Bundestagswahl verholfen. Interessant und brisant im Zusammenhang mit seinem Tweet ist allerdings auch: Brinkert kümmert sich um die öffentliche Wahrnehmung von Leon Goretzka. Man weiß ja, was sich aus dieser Konstellation und vor dem Hintergrund, dass es vor allem Teamkollegen von Goretzka beim FC Bayern erwischt hat in der Ferienzeit, schließen ließe. Brinkert ist dann, als Wind aufkam, auch ein paar Schläge zurückgerudert: Er beziehe sich nicht explizit auf die Bayern-Spieler, sondern auf diejenigen „national wie international“, die mit Partyfotos aufgefallen wären.

Grundsätzlich neigt man dazu, Raphael Brinkert Recht zu geben: Urlaubsreisen in der Ferienzeit, speziell in dieser gerade zu Ende gehenden mit einer neuen Infektionswelle, sind risikobehaftet: Kontakte lassen sich nicht vermeiden, man kommt zusammen mit Menschen aus Virusmutationsgebieten, die Flugzeuge sind voll und das wohl auch in den teureren Klassen. Und es ist zu überlegen, was fünf Tage Erholung wert sind, wenn man dafür zwei Tage sitzend verbringen muss. Andererseits: Weil so viel an Terminen hineingepackt wird in diese Fußballsaison und in die kommende mit der zeitraubenden Unterbrechung durch die Weltmeisterschaft in Katar, gibt es für die Profis nicht viele Gelegenheiten, mal abzuschalten. Und ein völlig anderes Ambiente als das beruflich bedingte ist förderlich für die mentale Gesundheit. Wobei: Wenn sich dann alle in Dubai oder auf den Malediven treffen, ist die Zielsetzung des alternativen Erlebens auch wieder gefährdet.

Der kritische Punkt ist die Wiederzusammenführung mit der Mannschaft in heimischen Gefilden. Das Virus als Urlaubsmitbringsel in die Kabine zu tragen oder selbst aufgrund einer Infektions- oder Kontaktquarantäne nicht zur Verfügung zu stehen – da greift dann die oft eingeforderte Eigenverantwortung, dass ein Fußballer seine Reise so gestaltet und terminiert, dass er diesen Schaden eben nicht anrichtet. Spannender darf die Bundesliga gerne werden – auf diesem Weg muss es dann aber auch nicht geschehen.

Guenter.Klein@ovb.net

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