Köln – Erst Pech mit einem Stockbruch, dann „Störmanöver“ von hinten: Langläuferin Katharina Hennig hat auf der vorletzten Etappe der Tour de Ski im italienischen Val di Fiemme den ganz großen Wurf verpasst, als Fünfte aber erneut ihre Weltklasse über zehn Kilometer im klassischen Stil unter Beweis gestellt. „Ich bin total glücklich. Ich habe bestätigt, dass ich vorne mitlaufen kann. Das ist die Hauptsache“, sagte die 25-Jährige, die in der Gesamtwertung nach fünf Rennen auf Rang neun kletterte.
Hennigs Rennen auf der Olympiastrecke von 2026 in Val di Fiemme, wo sie in den vergangenen zwei Jahren jeweils auf das Podium gelaufen war, begann mit einem Malheur. „In der ersten Runde hatte ich einen Stockbruch und hing ganz am Ende des Feldes. Das hat Körner gekostet. Hier bekommt man eben nichts geschenkt“, sagte die Sächsin.
Hennig startete aber eine Aufholjagd und war Teil einer sechsköpfigen Spitzengruppe, die sich nach der Hälfte der Strecke absetzte. Bei der letzten Zwischenzeit nach 8,9 Sekunden war Hennig sogar Dritte, am finalen Anstieg musste sie aber abreißen lassen – auch weil die Konkurrenz unfreiwillig eingriff. „Die Läuferin hinter mir ist ständig auf meine Ski getreten. Da war der Schwung weg“, sagte Hennig.
Am Ende fehlten zu ihrem zweiten Podest des Olympiawinters nur sechs Sekunden, dennoch bedeutete Rang fünf das bislang beste deutsche Ergebnis bei der Tour. Der Sieg ging wie schon am Samstag im Sprint an Natalja Neprjajewa, die mit ihrem fünften Weltcupsieg – davon vier bei der Tour – auch ihre klare Führung in der Gesamtwertung ausbaute. Nach 29:51,3 Minuten lag die Russin vor Heidi Weng (Norwegen/+3,7 Sekunden) und der Finnin Krista Pärmäkoski (+4,8).
Für eine Überraschung sorgte Katherine Sauerbrey (Steinbach-Hallenberg), die als Zwölfte die halbe Norm für Olympia (einmal Top acht oder zweimal Top 15) erfüllte. „Ich bin mega happy, es war so ein cooles Rennen. Ich kann es selbst noch nicht glauben“, sagte die 24-Jährige nach dem besten Weltcup-Ergebnis ihrer Karriere. Lisa Lohmann aus Oberhof wurde 16. mit einem Rückstand von 1:18,8 Minuten.
Weitere deutsche Starterinnen waren Sofie Krehl (Oberstdorf, 20.,) +1:37,4) und Pia Fink (Bermelau, 29., +1:59,1). Bei den Männern verpasste es Janosch Brugger als 18., sich endgültig das Olympia-Ticket zu sichern. Er führte ein deutsches Trio über die Ziellinie: Friedrich Moch belegte Rang 19, Lucas Bögl Platz 20.
Die Entscheidung um den Gesamtsieg fällt am Dienstag auf der legendäre Alpe Cermis. Die Sieger erhalten jeweils 55 000 Schweizer Franken (ca 53 100 Euro). sid/dpa