Uli Hoeneß zum 70.
Der Schöpfer des modernen FC Bayern
Als Uli Hoeneß im zarten Alter von 27 sein Amt als Manager antrat, drängte sich im deutschen Fußball alsbald der Eindruck auf, der juvenile Mann mit dem lockigen Blondhaar strebe eine Kulturrevolution an. Gut, es gab zu dieser Zeit noch Günter Netzer, ein Ex-Fußballstar auch er, der beim Hamburger SV ebenso erfolgreich wie diskret die Fäden zog. Doch Hoeneß stürzte sich in die Arena des Berufsfußballs, dass es schepperte und die Fetzen flogen. So einen Macher hatte die Bundesliga zuvor noch nicht erlebt. Einen, der einen absoluten sportlichen Machtanspruch entwickelte und zugleich mit enormer Entschlossenheit neue Geldquellen erschloss, nach verstärkter Kommerzialisierung strebte, dem Fußball-Club FC Bayern die Struktur eines Unternehmens verpasste. Das war nicht nur neu im noch etwas verträumten, an alten Traditionen hängenden Fußball-Deutschland – sondern lange Zeit auch ziemlich unbeliebt.
Hinzu kam, dass Hoeneß’ ruppiger persönlicher Stil, seine rhetorische Rauflust, seine skrupellose Transferpolitik früh Vorbehalte schürten, die sich alsbald zum Feindbild (und das war er für viele) kristallisierten. Den Siegeswillen, den er seinen (besser als anderswo bezahlten) Spielern abverlangte, verkörperte der Schwabe auch im öffentlichen Meinungsstreit, in dem er mitunter austeilte wie ein Boxchampion. Nur allzu gerne pflegte Hoeneß sein Image als „Abteilung Attacke“. Besonders in seinen ersten 10, 15 Jahren polarisierte der Bayern-Manager auf diese Weise wie kein anderer. Und das nicht immer auf die charmanteste Art.
Das war also der eine Hoeneß. Streitlustig, provokant, kämpferisch, die lauteste Stimme der Liga (als Präsident wurde er etwas milder), der kompromisslose Modernisierer und Herausforderer. Aber es gab immer auch den Hoeneß, der sein Engagement für den Fußball mit Leidenschaft, Herzblut, Hingabe und sozialer Verantwortung verband. Dafür wurde er verehrt. Von den Fans, den Spielern, den Angestellten an der Säbener Straße. Hoeneß schaffte es, Reiz- und Kultfigur in einem zu sein.
Das Erfolgsmodell FC Bayern, das Hoeneß kreierte, führte die Münchner schließlich in die Extraklasse des internationalen Fußballs. Sie sind zum Global Player geworden, zur Weltmarke, zum Inbegriff des deutschen Vereinsfußballs. Dafür wird Hoeneß, der den FC Bayern verkörpert wie kein anderer, auch zum 70. Geburtstag nicht jedermann applaudieren; für viele ist er immer noch der rechthaberische Poltergeist von einst. Doch das ändert nichts an seinen Verdiensten. Längst hat Uli Hoeneß seinen Platz in der Historie sicher: Er ist der Schöpfer des modernen FC Bayern. Und der größte aller Fußballmanager.
Armin.Gibis@ovb.net