Der Wind bringt die Tournee in Bedrängnis

von Redaktion

3. Station in Innsbruck abgesagt – nun müssen die Springer zwei Mal in Bischofshofen ran

VON PATRICK TORRES

Innsbruck – Es war kurz vor 15 Uhr, da kam am Bergisel noch einmal ein Funken Hoffnung auf. Der Wind hatte seinen Griff um den Berg der Tiroler ein bisschen gelockert. Doch der Friede war trügerisch. Und so senkte Sandro Pertile, der Renndirektor des Weltverbandes FIS wenig später dann doch den Daumen. Das dritte Tourneespringen in Innsbruck war zu Ende noch ehe es begonnen hatte.

Einen neuen Versuch an gleicher Stelle, das war schnell klar, wird es nicht geben. Die Option eines zweiten Anlaufs auf der einzigen Tourneeanlage ohne Flutlicht, war den Tourneeorganisatoren zu riskant. Noch gestern zog der Tourneetross nach Bischofshofen weiter, wo zum zweiten Mal seit 2008 gleich zwei Springen steigen soll. Heute das Nachholspringen mit einer Qualifikation um 13 Uhr und dem Wettbewerb um 16.30 Uhr, am Dreikönigstag dann das Finale dieser 70. Tournee (Qualifikation 14 Uhr, Wetttbewerb ab 17.30 Uhr). „Dort sind wir einfach flexibler“, sagte Pertile. Anders als vor 14 Jahren will man übrigens an beiden Tagen am K.o.-Modus festhalten.

Die Protagonisten selbst hatten schon zu Beginn des bewegten Tages nichts Gutes geahnt, angesichts der Windwirbel, die sich über der Alpen-Nordkette aufgebaut hatten. „Ich stelle es mir schwierig vor, dass hier gesprungen werden kann“, sagte Bundestrainer Stefan Horngacher, „es ist halt die Fönhauptstadt hier.“. Doch so stramm der Wind auch am Bergiselstadion zerrte – die Jury ließ nichts unversucht. Viermal wurde die Startzeit nach hinten geschoben, weil Meteorologen leichte Besserung ankündigten. Doch dann folgte der Schlussstrich, weil die Lichtverhältnisse am Bergisel am späten Nachmittag kein Springen zulassen. Horngacher begrüßte den Entschluss, „hier wäre es einfach zu gefährlich gewesen.“

Was die Umstellung auf eine Dreischanzentournee sportlich bedeutet, darüber kann man nur spekulieren. Die Paul-Außerleitner-Schanze in Bischofshofen gilt zwar als Anlage der Flieger mit vergleichsweise großen Weiten. Wirkliche Umstürze im Klassement passierten dort, anders als in Innsbruck aber nur selten. Horngacher ist das für den Moment egal. „Klar, normalerweise ist eher am Bergisel etwas passiert. Aber für uns hat sich nichts verändert. Wir haben einen gewissen Rückstand und der ist dort der selbe“, sagte er. Horngacher schickte seine Mannschaft nach einem letzten Essen im Tiroler Quartier auf den Weg nach Bischofshofen, wo man bereits am späten Vormittag den ersten und einzigen Trainingssprung absolvieren wird.

Der Neustart im Pongau hätte derweil auch die Chance auf Besserung für Kamil Stoch sein können, der auch am Bergisel in der Qualifikation gescheitert war. Doch der 34-jährige Titelverteidiger stieg nach Absprache mit seinen Trainern schon vor der Absage am Dienstag aus dem, für ihn reichlich verkorksten Turnier aus.

Stoch reiste gestern bereits in seine polnische Heimat zurück. „Bis in einer Woche wird es für Kamil Stoch wichtig sein, sich zu regenerieren und dann ein Motoriktraining zu absolvieren“, hieß es in einer Mitteilung des Verbandes, „Er wird auf die Schanze zurückkehren, nachdem er sich mental und körperlich erholt hat.“ Der dreimalige Tournee-Sieger war bei den Springen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen jeweils im ersten Durchgang ausgeschieden. Am Bergisel reichte es für ihn am Montag nur zu Platz 59.

Bis zum Ende mit von der Partie ist dagegen das österreichische Team. Die ÖSV-Adler hatten die deutschen Springen schwer verpatzt. Allen voran Mitfavorit Stefan Kraft, der Gesamt-36. ist. Via „Tiroler Tageszeitung“ ätzte Ex-Coach Alex Pointner: „Es war Wunschdenken des Trainerteams, dass sich ein Problem von selbst löst, für das man kein wirkungsvolles Konzept hat.“

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