Nächster Satz im Djokovic-Match

Stresstest für einen freundlichen Sport

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Wäre Novak Djokovic gegen Australien ein Tennisspiel, stünde es nun 1:1. Ein Fünfsatz-Match sollte daraus nicht werden, denn ein paar Tage der Beruhigung – in jede mögliche Richtung – täten dem großen Turnier in Melbourne gut, bevor es beginnt. Der nächste gerichtliche Termin sollte also die Entscheidung bringen, ob Titelverteidiger Djokovic in Australien an den Start gehen darf.

Die australischen Behörden haben einen Formfehler begangen, als sie Djokovics Visum für ungültig erklärten – deshalb ist der gegen Corona ungeimpfte Tennisprofi noch im Land, obwohl dieses eine sehr strikte Politik verfolgt, wen es reinlässt, und das betrifft ja sogar die eigenen Bürger. Dass ein Gericht vorerst in Djokovics Sinne entscheidet, ist übrigens ein Beleg dafür, dass die Gewaltenteilung in Australien funktioniert und jedwedes Geschrei von (Corona-)Diktatur genauso Unsinn ist wie bei uns.

Dennoch sollte die endgültige Entscheidung dazu führen, dass man Novak Djokovic die Teilnahme verwehrt. Ob er einen juristischen Anspruch hat, bei den Australian Open aufzuschlagen, ist die eine Sache; sie liegt auch in den Händen findiger Anwälte. Doch wie steht es um seinen moralischen Anspruch angesichts der Story voller Ungereimtheiten, die er auftischt? Soll man glauben, dass einer am 16. Dezember positiv getestet wurde, wenn er am 17. und 18. fröhlich öffentlich Termine wahrnimmt? PCR und PR müssten sich in diesem Fall ausschließen. Oder ist Djokovic tatsächlich so rücksichtslos, dass er im Wissen um eine Infektion maskenlos mit anderen Menschen verkehrt? Dann wäre er kriminell und ein Fall für die Gerichte. Als Angeklagter.

Als globales Sportidol hat Djokovic wohl ausgedient. Unterstützt von seinem familiären Anhang spielt er gnadenlos die national(istisch)e Karte aus und bläst seinen Fall zur Staatsaffäre auf. Ein Held Serbiens mag er bleiben und ein Held von Querdenkern werden – die breite Mitte, die ihn als Spieler verehrte, wird er verlieren.

Darf Djokovic in Melbourne spielen, wäre das ein Stresstest für das Tennis. Diesen Sport, zu dem die Zuschauenden in freundlicher Grundhaltung gehen, weil ihnen die Qualität und der Spektakelgehalt eines Matches oft wichtiger sind, als wer es gewinnt. Dass dies noch so sein kann, wenn auf einer Seite des Netzes Djokovic steht – in Australien derzeit kaum vorstellbar.

Guenter.Klein@ovb.net

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