Melbourne – Kein Tag vergeht, ohne dass neue Ungereimtheiten in der Causa Novak Djokovic ans Licht kommen. Seit gestern ist der Einreisekrimi rund um den 20-fachen Grand-Slam-Sieger um ein weiteres Kapitel reicher, dem Serben wird nämlich nun vorgeworfen, einen Corona-Test manipuliert und zudem falsche Angabe in seinem Einreiseformular gemacht zu haben.
Bei seiner Einreise in Australien hatte der 34-Jährige angegeben, am 16. Dezember positiv getestet worden zu sein, laut dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ ist besagter Test in der serbischen Datenbank allerdings auf den 26. Dezember datiert. Hat der „Djoker“ also getrickst?
Eben jener Positivtest war Djokovics Schlüssel zur Einreise in Australien, ohne geimpft zu sein. Schließlich belegte ein zweiter, am 22. Dezember vorgenommener Negativtest, dass der Tennisstar genesen sei. Wurde dieser Negativtest jedoch vor dem Positivtest durchgeführt, würde dies den Weltranglistenersten im Kampf um seine Aufenthaltserlaubnis wieder bedeutend zurückwerfen.
Wie der „Spiegel“ berichtet, versehen Corona-Testsysteme ein Testresultat automatisch mit einem Zeitstempel, sobald dieses in die Datenbank eingepflegt wird. In der Regel passiert das nur wenige Minuten, nachdem das Testergebnis vorliegt. Im Fall von Djokovics Positivtest besagt dieser Zeitstempel: 26. Dezember, 14.21 Uhr – also zehn Tage nach dem von ihm angegebenen 16. Dezember.
Hinzu kommt, dass die Testresultate mit einer Identifizierungsnummer markiert werden, die darauf hindeutet, dass das Ergebnis am 26. und nicht am 16. Dezember generiert wurde. Diese Ziffer liegt rund 50 000 Stellen höher als der Negativtest vom 22. Dezember. „Wir konnten nachvollziehen, dass diese Identifizierungsnummern aufsteigend vergeben werden“, so Mitglieder der IT-Expertengruppe „Zerforschung“ zum „Spiegel“. „Aufgrund dieser Indizien ist es die naheliegendste Erklärung, dass das positive Testergebnis nicht am 16. Dezember, sondern eher am 26. Dezember in die serbische Datenbank überführt wurde.“
Auch einen Tag nach der Gerichtsentscheidung zu Gunsten von Djokovic gab es somit keine Klarheit, ob der 34-Jährige bei den Australien Open tatsächlich starten darf. Zumal Details aus einem Einreiseformular den Serben zusätzlich in Bedrängnis bringen. Wie australische Medien am Dienstag berichteten, entspricht eine Angabe in dem Dokument nicht der Wahrheit. Djokovic war entgegen seiner Auskunft in den 14 Tagen vor dem Flug nach Australien auf Reisen gewesen. Durch in sozialen Netzwerken veröffentlichte Fotos und Videos lässt sich nachvollziehen, dass der in Monaco lebende Sportler sich im fraglichen Zeitraum vor der Anreise nach Down Under sowohl in seiner Heimat Serbien als auch in Spanien zum Training aufgehalten hat.
Hinzu kommt: Nach den Regeln in Serbien hätte sich Djokovic nach seinem angeblich positiven Corona-Test vom 16. Dezember eigentlich für 14 Tage in häusliche Isolation begeben müssen. Doch schon am 17. Dezember war er – wissentlich positiv – unterwegs. Von einer Preisverleihung für junge Tennisspieler in Serbiens Hauptstadt Belgrad gibt es zig Fotos von Djokovic – alle ohne Maske und Abstand. Dass er wiederum einen Tag später auch noch ein Foto-Shooting für die französische Sportzeitung „L’Équipe“ macht, dokumentiert erneut das egoistische Handeln von Djokovic.
Die Frage ist nun, inwieweit Australiens Einwanderungsminister Alex Hawke all diese offenkundigen Verfehlungen in seine Entscheidungsfindung mit einfließen lässt. Falsche Angaben auf dem Einreiseformular werden als schwerwiegendes Vergehen bezeichnet. Und erst recht die Manipulation eines Corona-Tests.
Djokovic war in der vergangenen Woche die Einreise ins Land verweigert worden, weil er nicht gegen das Coronavirus geimpft ist und den Behörden die Dokumentation seiner medizinischen Ausnahmegenehmigung nicht ausreichte. Am Wochenende war er deswegen in einem Abschiebehotel in Melbourne untergebracht. Weil die Grenzbeamten ihm allerdings nicht die vereinbarte Zeit zur Klärung zugestanden hatten, wurde die Entscheidung am Montag von einem Gericht gekippt. mm/dpa