Gensheimers Erbe

von Redaktion

Mit gerade 24 Jahren soll Johannes Golla die deutschen Handballer als Kapitän in eine neue Ära führen

München – Johannes Golla kann nichts aus der Ruhe bringen´. Es sei denn, es sind Hexen und Magier im Spiel. Beim Zocken mit den Teamkollegen stößt der neue Kapitän der deutschen Handballer momentan an seine Grenzen. „Verantwortungsbewusst, ruhig, abgeklärt“, so wird Golla von Timo Kastening beschrieben. „Er ist als Typ eine 1 und vollkommen bei sich“, erzählt der Rechtsaußen – und muss dann grinsen: „Das einzige, was ihn momentan vielleicht ein bisschen stört, ist, dass er beim Kartenspielen von Witches und Wizard meist verlert.“

Auf dem Feld gehört 1,95-Meter-Kraftpaket Golla meist zu den Gewinnern. Und doch wird sich so mancher Fernsehzuschauer am Freitag (18.00 Uhr/ARD) noch verwundert die Augen reiben, wenn beim EM-Auftaktspiel gegen Belarus statt des ewigen Uwe Gensheimer der kernige Kreisläufer das deutsche Team aufs Feld führen wird. Gensheimer hat seine DHB-Karriere bekanntlich nach 16 Jahren Nationalmannschaft beendet, nun soll Käpt’n Golla die deutsche Auswahl in eine neue Ära führen.

Golla tritt in ziemlich große Fußstapfen. Spieler wie Horst Spengler oder Markus Baur trugen beim DHB die Kapitänsbinde – und Vorgänger Gensheimer war hierzulande nicht weniger als zum Gesicht der gesamten Sportart geworden. Doch Golla, nicht bloß in den Augen von Kastening „handballerisch weltklasse“, wird seinen eigenen Weg gehen – und dabei auch eigene Duftmarken setzen.

Golla nimmt sich der neuen Aufgabe mit voller Leidenschaft an. Trotz seiner erst 24 Jahre wirkt der junge Familienvater erstaunlich unaufgeregt und reflektiert. „Dass man in meinem Alter und mit der kurzen Nationalmannschaftskarriere schon Kapitän wird, ist ungewöhnlich“, sagt Golla, betont aber auch: „Ich bin nicht mehr unerfahren, auch wenn es nur gut 30 Länderspiele sind.“

Wohl wahr. Mit der SG Flensburg-Handewitt holte Golla nach seinem Wechsel 2018 aus Melsungen direkt den deutschen Meistertitel und ist seit dreieinhalb Jahren Dauergast in der Champions League. Und auch in der Nationalmannschaft gehört er seit der EM 2020 zum festen Kader, erlebte schon eine Weltmeisterschaft und Olympische Spiele als Stammspieler.  sid

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