Max Eberl ist dann mal weg

von Redaktion

Privat im Glück, doch vom Job aufgefressen: Schlussstrich in Mönchengladbach nach 23 Jahren

VON GÜNTER KLEIN

Mönchengladbach/München – Max Eberl trug Schwarz, den Kopf hielt er gesenkt, eine Hand deckte die Augen ab, und als er gebeten wurde, das Wort zu ergreifen, ließ er erst einmal noch die Stille wirken. Dann sagte er: „Ich beende, was mein Leben war. Ich bin einfach erschöpft, bin müde, habe keine Kraft.“ Sein letzter Kampf in 23 Jahren bei Borussia Mönchengladbach: der um eine feste Stimme, gegen die Tränen. Er hatte es geahnt: „Es wird die schwerste Pressekonferenz, die ich halten muss.“

Dass Max Eberl (48) Schluss machen würde in Mönchengladbach, diese Nachricht hatte den Donnerstagabend beherrscht. Was sich binnen Minuten als Gerüchtelage entwickelte, bezeichnete Eberl als das „Drumherum des Fußballs, das kein Spaß ist“. Er sei „ein gutes Beispiel dafür, was auf der Welt passiert“: wilde Spekulationen, schnelle Verurteilung. Will er einen umgehenden Abgang, womöglich zu RB Leipzig, wo man von einer großen Lösung spricht, erzwingen? Läuft er vor der sportlichen Krise davon, in die die Mannschaft geraten ist? Hat er sich mit den Borussen entzweit? Welche Rolle spielt seine neue Freundin, eine 33-jährige Schweizerin, die auch im Verein angestellt gewesen war; ist sie die Yoko Ono, die die Borussen-Band auseinander bringt?

„Es geht nicht um verletzten Stolz oder um Frust“, erklärt er. „Rein die Person Max Eberl ist erschöpft und müde, Ich muss raus und auf den Menschen aufpassen. Es geht nicht um den Fußball, sondern um mich.“

Eberl skizziert den dauerhaften Hochdruck, unter dem er stand. Nach zehn Jahren als Spieler – „Abschlusstraining am Freitag“ – wurde er Jugendkoordinator, „Einzug ins Büro am Samstag“. Er machte Karriere als sportlicher Gestalter des Clubs, im Dezember 2020 verlängerte er seinen Vertrag bis Mitte 2026. Doch schon im Januar 2021 nahm er eine Auszeit, verzog sich auf eine Berghütte. „Tatsächlich bin ich aber nicht nach vier Wochen, sondern nach zwei zurückgekehrt und hart aufgeprallt.“ Es standen die nächsten Konflikte an, die er befrieden musste, er merkte: Er kann nur 100 Prozent, „ich kann keinen Knopf finden: Du machst weniger.“ Den Verein habe er das nicht spüren lassen. Präsident Rolf Königs: „Wir kennen Herrn Eberl als stabilen Mann und haben nicht erkannt, was für eine Belastung das für ihn ist.“

Eigentlich ist Eberl ein glücklicher Mensch, getragen von der neuen Partnerschaft. Doch er will dieses Glück nicht auffressen lassen von seinem Job. „Ich will einfach raus, die Welt sehen, Spaß haben mit meinem Umfeld. Mit Fußball nichts zu tun haben. Ohne Verantwortung sein. Um es mit Hape Kerkeling zu sagen: Ich bin dann mal weg.“ Er weiß: „Ich werde Momente der Langeweile haben – aber auch schöne.“

„Wenn jemand geht, der die Bausteine aufeinandergesetzt hat, tut das weh“, sagte am Freitag auf der Pressekonferenz der Borussia-Führung mit Eberl Vizepräsident Rainer Bonhof. „Doch wir haben eine super Mannschaft und eine Struktur. Eine Tür geht zu, eine andere öffnet sich“, fand Rolf Königs auch etwas, was ihn an diesem „Misttag“ zuversichtlich stimmte.

Der bisherige Scout Steffen Korell wird Interims-Sportdirektor, doch Borussia sucht schnell nach einer externen Lösung, als erste fielen die Namen Dieter Hecking (derzeit Nürnberg, war bei Borussia Spieler und Trainer) und Rouven Schröder (früher Bremen, Mainz, nun Schalke). In Gladbach gelte, so Königs, weiterhin die Weisheit des Beraters Hans Meyer: „Der Trainer kann wechseln, der Manager muss bleiben.“

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