Es gibt sie im Profisport, diese Verbindungen, die emotional so tief sind, dass sie eigentlich keiner vertraglichen Fixierung mehr bedürfen, weil Person und Verein wie verschmolzen wirken: Uli Hoeneß und der FC Bayern, der geniale Jugendtrainer Norbert Elgert und Schalke 04, der nun Stadion und Fanradio beschallende ewige Pokalheld Norbert Dickel und Borussia Dortmund. Auch das zwischen Max Eberl und Mönchengladbach ging in diese Richtung. Der Bayer Eberl war Gesicht, Gehirn, Gemüt der Borussia. Zwar noch nicht als Spieler von eher durchschnittlicher Güte, aber als Manager hat er den Traditionsclub vom Niederrhein zur besten Ära seit den 70er-Jahren verholfen. Darum erschüttert diese Nachricht die Bundesliga: Eberl geht. Sie wirkt natürlich auch angesichts der Umstände: Er ist, wie er sagt, zu erschöpft, um weiterzumachen.
Gewisse Veränderungen im Leben von Max Eberl sind in den vergangenen zwei Jahren ja offenkundig gewesen: Trennung von seiner Frau, neue Partnerin (aus dem Arbeitsumfeld), die körperliche Verschlankung, ein Sabbat-Monat inmitten der Transferzeit 2021. Was Berufung war, trat phasenweise einen Schritt zurück, wurde zum Job. Und in diesem – auch das gehört zur Eberl-Geschichte – agierte er anfechtbar. Er ließ sich auf das riskante Spiel mit dem kalten Karrieristen Marco Rose ein und verlor es. Er legte viel Geld für den falschen Nachfolger, für Adi Hütter, hin. Er schaffte es nicht, die Vertragskonstellation um die Spieler Ginter und Zakaria zum Wohl der Borussia zu lösen. Die Krise Mönchengladbachs hat auch mit den Entscheidungen Max Eberls zu tun. Dennoch wäre er der passendste Mann gewesen, sie zu bewältigen. Denn seine Grundqualitäten wie Umsicht, Augenmaß und gute Kommunikation verliert er nicht.
Max Eberl hat am Freitag einen weiteren bemerkenswerten Auftritt hingelegt. Es klang ehrlich, was er an Beweggründen für seinen Rückzug darlegte. Das „Ich kann nicht mehr“ ist ihm für diesen Moment abzunehmen. Ebenso die klare Ansage: „Es geht nicht um einen Vereinswechsel.“ Allerdings wird er sich vor allem an dieser Ansage messen lassen müssen. Wie man Max Eberl künftig sieht, wird davon abhängen, wo er, wenn er sich wieder stark genug fühlt. wieder einsteigt. Ist es gar das auf Sportchef-Suche befindliche Leipzig und schon zur neuen Saison? Möglich – zu der Art, wie er sich aus Gladbach verabschiedete, würde es nicht passen.
Guenter.Klein@ovb.net