Zumindest ein erstes Mal hat sich die chinesische Herangehensweise an diese Olympischen Winterspiele schon ausgezahlt. Das Wintersportzentrum von Zhangjiakou, das man für das Projekt mal eben neu erfand, fand schon die ersten prominenten Bewunderer. Auch einige der deutschen Athleten gerieten ins Schwärmen, noch bevor sie die olympischen Anlagen überhaupt erreicht hatten. Die Schanzenanlage, die wie ein überdimensioniertes chinesisches Zepter über den Wettkampfstätten thront? „Gigantisch“, „bombastisch“, war von Markus Eisenbichler und Kollegen zu hören. Die Bob- und Rodelbahn, die sich wie ein Drache die Mittelgebirgshänge hinunterschlängelt? „Ein Wunder der Baukunst“, sagte Trainerguru Georg Leopold.
All diese Superlative waren vorhersehbar. Chinas Olympiamacher wollten diesen ersten Winterspielen in einer Stadt, in der auch schon Sommerspiele gastierten, selbst das ein oder andere Denkmal setzen. Und keine Frage, das haben sie geschafft. Mit gewaltigem baulichem und wohl auch gewaltigem finanziellen Aufwand – alleine die Bobanlage soll 2,5 Milliarden Euro gekostet haben – wurde eine futuristische Wintersportlandschaft erschaffen. Egal wie viel davon am Ende bleiben wird, welche Zukunft die olympischen Sportstätten tatsächlich haben werden: Das Ergebnis verdient Anerkennung.
Welchen Dienst China der olympischen Bewegung damit erweist, ist eine andere Frage. Am Wandel vom hehren Sportfest zum milliardenschweren Mega-Spektakel Olympia entzündet sich schon lange reichlich Kritik. Vor allem in den traditionellen Wintersportgebieten findet sich für die fünf Ringe kein breites Interesse mehr. München, so heißt es, hätte sich mit Garmisch-Partenkirchen die Spiele mühelos abholen und zur ersten Heimat von Sommer- und Winterolympia werden können. Hätte sich gerade jetzt gut gemacht, fünfzig Jahre nach 1972. Doch die Menschen sagten genauso Nein wie in der Schweiz, in Tirol oder in Oslo – an Plätzen also, in denen der Wintersport schon lange zuhause ist.
Das Vertrauen, das an diesen Orten verloren gegangen ist, wird man mit der chinesischen Herangehensweise sicher nicht zurückholen können. Aber vielleicht hilft ja der Blick nach vorne. Auf 2026. Dann machen die Winterspiele in Norditalien, in Cortina d’ Ampezzo Station. Fast schon an den Wurzeln also.
patrick.reichelt@ovb.net