Tampere/München – Kristian Kuusela, der Star von Tappara Tampere, musste über seine eigene Unzulänglichkeit lachen, dass der Zahnschutz im Mund aufblitzte. Zehn Sekunden vor der Schlusssirene fuhr er aufs verlassene Münchner Tor zu, bekam den Puck auf den Schläger gespielt – und schob vorbei. Aber völlig egal: Zwei Treffer hatte der Weltmeister von 2019 zuvor erzielt, 3:0 gewann Tappara, ein weiteres Tor brauchte es nicht mehr in diesem auf ein Spiel verkürzten Halbfinale der Champions Hockey League (CHL). Die Finnen stehen im Endspiel am 1. März bei Rögle BK Ängelholm in Schweden, wieder erlebt die europäische Liga ein nordisches Finale. Bislang hatten sich nur zwei tschechische Teams und einmal der EHC München einmischen können.
Seit der Saison 2014/15 gibt es die Champions League des Eishockeys, sie erreicht natürlich nicht annähernd die Dimensionen des Fußballs, der EHC München hat als Halbfinalist dieses Jahr gerade einmal 165 000 Euro Preisgeld eingespielt. Die CHL ist, wenn man sie nicht gerade gewinnt, ein Zuschussgeschäft, dennoch war der um (internationale) Sichtbarkeit bemühte EHC München heiß auf den Titel. „Wir waren schon einmal nahe dran“, erinnert Verteidiger Yannic Seidenberg an das 2019 in Göteborg erreichte (und verlorene) Finale, „wir haben diese Saison unter schwierigen Umständen Superspiele gemacht und wollten die CHL gewinnen.“ Für Don Jackson wäre ein Erfolg auf europäischer Bühne die Abrundung seiner Trainerkarriere. Jeder Sieg in der CHL sei „a feather in our cap“, sagt der Amerikaner. Übersetzt: ein besonderer Pluspunkt. Er versprach: „Wir werden nächstes Jahr wieder da sein.“
Seit 2015/16, der zweiten Saison der CHL, ist München immer dabei und auch jedes Mal über die Gruppenphase hinausgekommen, und nach Seriensieger Frölunda Göteborg (vier Titel) kann der EHC auf die zweitmeisten Siege (33) verweisen. Dennoch: Auch München muss sich erst wieder qualifizieren – und das ist kein Selbstgänger mehr. Vier Startplätze hat die DEL, und sie wird sie wie folgt vergeben: an Ersten, Zweiten und Dritten der Hauptrunde plus den Deutschen Meister 2022. Geht der Titel an eines der drei erstplatzierten Teams, rückt der Vierte der Hauptrunde nach.
Der EHC München ist – mit noch 20 ausstehenden Spielen – Vierter, er hat Ingolstadt und Bremerhaven im Nacken. Der Abstand nach oben (Berlin, Wolfsburg, Mannheim) ist größer als der nach unten. Die Platzierung erfolgt nach Punktequotient, falls die DEL ihr pralles Hauptrundenprogramm mit 56 Partien pro Club nicht abwickeln kann. Der EHC muss – obwohl ihm wie in Tampere fünf deutsche und ein kanadischer Olympiateilnehmer abgehen werden – auch während der Spiele in Peking in der Liga ran. „Soll keine Ausrede sein, aber man hat gemerkt, dass die Jungs uns gefehlt haben“, sagte Yannic Seidenberg nach dem 0:3 in Tampere.
Es könnte ungewohnt eng werden für den EHC, dessen letzter Titel – Meisterschaft 2018 – vier Jahre zurück liegt. Auch deswegen stehen nach der Saison Eingriffe in den Kader an. Zentraler Neuzugang wird Nationaltorhüter Mathias Niederberger (Berlin) sein – der bisherige Goalie Danny Aus den Birken wird anderen Clubs angeboten.