München – Den ersten Nachrichten aus dem Olympialand hat Heinz Kuttin lieber gar keine Beachtung geschenkt. Auch den Berichten des Teamkochs nicht, der dem Tross der Nordischen Kombinierer bereits vorausgereist war. „Das zieht nur Kräfte“, sagt Kuttin, der Mann, der die deutschen Skizweikämpfer auf der Schanze an die Ausnahmekönner wie Jarl-Magnus Riiber heranführen soll. Aber was soll man dem Kärntner auch erzählen? Kuttin weiß wie kaum ein anderer, was er in China zu erwarten hat. Es ist noch nicht allzu lange her, da war er selbst mittendrin im chinesischen Unternehmen Olympia. 2018 hat das Reich der Mitte den einstigen Chefcoach Österreichs an Bord geholt, um die Skispringerinnen des Landes an die Olympiaform heranzuführen.
Man hatte das Projekt ja schon auch für ihn modelliert. Dank einer Kooperation der Verbände durften Chinas Springerinnen weitgehend in Österreich üben. Nur punktuell musste Kuttin beim Arbeitgeber vorstellig werden. So wie bei jenem dreiwöchigen Trainertreffen im Sommer 2019. 1000 Menschen schworen sich da in einer Halle im chinesischen Hinterland auf die Dinge ein, die da kommen mögen. Am Ende „war ich froh, dass ich wieder im Flieger war“. Keine Selbstverständlichkeit, zunächst hatte man ihm das Rückflugticket verweigert.
Und das passte zur Entwicklung seines Engagements. Die Führung machte mehr und mehr Druck und mischte sich in sportliche Belange ein. Man solle mehr trainieren, härter trainieren, weniger Regenerationseinheiten einlegen. „Wenn man weiß, wie sehr Skispringen davon abhängt, dass man im Kopf frei ist, dann weiß man auch, dass das nicht gut gehen kann. Es ging auch nicht gut, eine Verletzung folgte unter den Athletinnen der nächsten. Anfang 2020 schmiss Kuttin hin. Weil er die Entwicklung „nicht mehr mit meinem Verständnis als Trainer vereinbaren konnte“.
Dem Deutschen Skiverband (DSV) dürfte diese Entwicklung ganz recht gekommen sein. Der DSV hatte sich schon seit geraumer Zeit nach einem Fachmann umgetan, der den seinen Kombinierern zu mehr Weite auf der Schanze verhelfen konnte. Kuttin flirtete zwar mit Frankreichs Verband, aber wenn DSV-Sportchef Horst Hüttel nach Österreich fährt, kehrt er selten alleine zurück. Und so war es auch diesmal. Kuttin sagte Ja: „Weil du in Deutschland einfach mit Weltspitze arbeitest.“
Auch die Kombination war ihm nicht neu. In Österreich hatte er auch schon Nachwuchskader der Zweikämpfer trainiert, dazu gehörte unter anderen auch sein Sohn Philipp. Und die Sache hat im zweiten Jahr der Zusammenarbeit ja auch schon Früchte getragen. Die deutschen Spitzenkräfte um Eric Frenzel oder Vinzenz Geiger haben sich auf der Schanze zumindest näher an Riiber herangeschoben, auch wenn der filigrane Norweger gegenüber den muskulöseren Deutschen deutlich im Vorteil ist.
Und die Entwicklung soll weitergehen. Der 51-Jährige will die Deutschen in die Position bringen, auch um den Sieg auf der Schanze mitzuspringen. Was schon in Peking gelingen könnte. Dort ist Top-Flieger Jarl-Magnus Riiber wegen seiner Corona-Infektion zumindest zunächst nämlich nicht am Start. PATRICK REICHELT