„In den Staffeln ist etwas möglich“

von Redaktion

Bundestrainer Peter Schlickenrieder über den Neuaufbau im Langlauf und die Spiele in Peking

München – Er war angetreten um die deutschen Skilangläufer geradewegs zurück in die Weltspitze zu führen. Doch der Weg erwies sich als steiniger, als Peter Schlickenrieder das erwartet hat. Die Ziele des Langlauf-Bundestrainers gehen deshalb eher über die Spiele hinaus.

Herr Schlickenrieder, vor allem bei der Tour de Ski hatte Ihre Mannschaft etwa mit Katharina Henning und Friedrich Moch beachtliche Erfolge. Trägt die Arbeit erste Früchte?

Es sieht so aus. Doch, ich denke schon, dass es vorwärts geht. Ich gebe zu, dass ich das am Anfang völlig falsch eingeschätzt habe. Mir hat damals ein schwedischer Trainerkollege gesagt: „Nimm dir zehn Jahre Zeit dafür.“ Ich dachte, das muss doch in zwei, drei Jahren zu schaffen sein. Ist es aber nicht. Nicht in einer Sportart wie unserer.

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Deutschland im Langlauf mitführend war. Wie ist der Absturz zu erklären?

Das kommt vor allem dann, wenn man zu lange an einem Erfolgskonzept festhält. Der Sport hat sich in der ganzen Methodik enorm weiterentwickelt. Da hat man in Deutschland den Anschluss verloren. Und die nötigen Strukturen zu schaffen, das braucht Zeit. Und es kostet viel Energie. Es gibt viele Trainer und Betreuer, die noch am Anschlag arbeiten müssen, weil wir einfach nicht genügend Leute haben.

In anderen Abteilungen wie dem Skispringen holt man sich die Kompetenz aus dem Ausland.

Das passiert bei uns schon auch. Aber das Problem bei ausländischen Trainern ist oft: Du baust mühsam etwas auf, und nach ein paar Jahren geht er wieder. Du brauchst Leute, die sich dem langfristig verschreiben. Optimal ist es natürlich wenn Athleten dann auch Trainer werden. Das versuche ich zu fördern. Und es läuft auch gut. Fast alle meine Athleten machen die Ausbildung mit.

Sportlich haben Sie mit Katharina Henning eine Athletin mit Top-10-Potenzial, aus Ihrem Team herausragt. Eine Talentfrage?

Das hat viel mit Oberwiesenthal zu tun. Im Osten ist es gelungen, einiges von den Strukturen der Sportschulen zu retten. Eine Läuferin wie sie hat schon in frühen Jahren anders trainiert. Mit anderen Schwerpunkten. Das merkt man bei ihr einfach. Bei den Männern dagegen haben wir jetzt den Friedrich Moch. Der hat in Isny ganz anders gearbeitet. Ich bin sehr gespannt, wie bei ihm die Entwicklung weitergeht.

Im Finale der Tour de Ski hat er mit einem dritten Platz überrascht…

Ja, das war gigantisch. Super, wie er sich da hochgekämpft hat. Aber der Bursche ist 21. Der dritte Platz hilft ihm sicher, aber man darf auch nicht zu viel erwarten. Da wartet noch viel Arbeit.

Halten Sie eine derartige Sternstunde eines Ihrer Athleten auch in Peking für möglich?

Möglich ist viel. Aber, man muss da realistisch sein. In vier Jahren in Italien sieht das sicher anders aus. Aber unser Ziel für Peking muss sein, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten die beste Leistung abrufen. Ich denke nach wie vor, dass wir in den Staffel-Wettbewerben die besten Chancen haben. Wenn wir eine Staffel haben Da bin ich mir in der Pandemie erst sicher, wenn tatsächlich eine Staffel am Start steht.

Es gab Befürchtungen, Corona-Tests könnten manipuliert werden.

Ach, das glaube ich nicht. Momentan explodieren überall die Zahlen. Da muss man nichts manipulieren, das ist einfach da. Das hat man ja auch bei den Handballern gerade gesehen. Es wird eine der größten Herausforderungen dieser Spiele: Man muss irgendwie gesund bleiben.

Interview: Patrick Reichelt

Artikel 1 von 11