Lesser provoziert das IOC

von Redaktion

Der Biathlet deutet Motto der Olympia-Veranstalter um: „Geld, Geld, mehr Geld“

Peking – Als Erik Lesser erstmals auf der hochmodernen Biathlon-Anlage in Zhangjiakou stand und im Hintergrund die futuristischen Skisprung-Schanzen sah, wurde der Medaillenjäger nachdenklich. „Ehrlich, es ist sehr schön hier draußen“, schrieb der Biathlet in seiner Insta-Story: „Aber zu wissen, wie dieses Gebiet vorher ausgesehen hat, macht mich traurig. All das für drei Wochen.“

Vor ein paar Jahren gab es 180 Kilometer nordwestlich von Peking noch wenig zu bestaunen. Für Olympia stampften die Veranstalter eine gigantische Anlage aus dem Boden, die bei Lesser für Stirnrunzeln sorgt. „Dass aus dem Nichts Stadien aus Beton und Stahl entstehen, die nicht nachhaltig sind und nach den Olympischen Spielen sicherlich nicht ein einziges Mal benutzt werden. Das sind Sachen“, sagte der Thüringer vor dem Abflug nach Peking, „die beschäftigen mich.“

Große Zukunftsperspektiven gibt es für das Nordische Ski- und Biathlonzentrum Kuyangshu nicht. In den kommenden Jahren sind jedenfalls keine Biathlon- oder Skisprung-Weltcups dort geplant. Die Chinesen wüssten nicht einmal, was Biathlon sei, vermutete Lesser, 33. „Dann sind wir in irgend so einem Reagenz-Stadion, kämpfen da um die großen Medaillen, die zu Hause was zählen, aber in China nicht.“

Im Reich der Mitte wollte sich der Doppel-Weltmeister von 2015 eigentlich auf seine letzten Olympischen Spiele konzentrieren, den Fokus voll aufs Sportliche legen. Einen Seitenhieb gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) konnte sich Lesser aber nicht verkneifen.

In einer weiteren Insta-Story postete er Handschuhe, die er von den Veranstaltern bekommen hatte. Die aufgenähten Begriffe „Solidarity, Inclusion, Equality, Peace, Respect“ (Solidarität, Inklusion, Gleichheit, Friede, Respekt) ersetzte er via Fotomontage durch die Worte „Geld, Geld, Geld, mehr Geld“ und schrieb als Text an den offiziellen Olympia-Account: „Ich habe es für euch korrigiert.“

Außerdem machte der Routinier darauf aufmerksam, dass nicht alle aus Team D die von der Stiftung Deutsche Sporthilfe ausgeschütteten Prämien für Medaillengewinne erhalten würden. „Ski Alpin, Skisprung Herren und Biathlon bekommen nämlich genau … 0 Euro“, schrieb Lesser, „dafür aber ganz viel Ruhm und Ehre.“ Ironisch empfahl er: „Wenn ihr euch auf die Balkone stellt und einfach klatscht so als ,Danke’“, , das fände er super.  sid

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