Über 20 Stunden unterwegs zu sein, den Großteil davon im Flugzeug, kostet Energie. Die Sehnsucht nach einem Bett am Ende der Reise wächst mit den Strapazen. Umso größer ist der Schock, wenn man bei der vermeintlichen Ankunft merkt, dass man in den falschen Bus gestiegen ist. Kira Weidle ist dieses Missgeschick passiert, bei der Anreise in das zunächst falsche der drei olympischen Dörfer.
Diese Art von Erlebnis hatte die für den SC Starnberg startende Wahl-Münchnerin wohl nicht im Sinn, als sie vor dem Abflug nach China erzählte: „Das ist gerade eine Phase, in der ich viel lerne, weil neue Situationen entstehen. Ich glaube, die muss man durchleben, um für den Rest der Karriere gerüstet zu sein.“
Sie meinte damit die Erfahrung, „als einzige deutsche Weltcup-Fahrerin am Start zu stehen, seitdem die Vicky (Viktoria Rebensburg, Anm.) nicht mehr dabei ist“ – und auch das Erfolgserlebnis, „dass einem auf einmal eine Silbermedaille umgehangen wird“. Was dem Coup mit dem 2. Platz in der WM-Abfahrt von Cortina d’Ampezzo 2021 folgte, waren allerdings auch die „sehr hohen Erwartungen“, mit denen die 25-Jährige inzwischen umgehen muss.
In diesem Winter hat sie dem gewachsenen Druck bisher mehr als ordentlich standgehalten. In der Abfahrtswertung belegt sie Rang sechs, Highlight war der 2. Platz von Zauchensee. Zudem zeigt die Formkurve im eher ungeliebten Super G etwas nach oben. Immerhin hat sie in dieser Disziplin aktuell schon so viele Punkte eingefahren wie noch in keiner Saison zuvor. „Es ist ein bisschen auffällig, dass ich letztes und dieses Jahr am Anfang der Saison nicht ganz so gut war und Richtung Höhepunkt immer besser geworden bin,“ beschrieb Weidle ihre Form. Beste Voraussetzungen für ihre Starts in Super G (Freitag) und Abfahrt (Dienstag). THOMAS JENSEN