Peking – Diese außergewöhnliche Reise von der Geburt ihres Sohnes über den Gesamtweltcup-Triumph und den EM-Titel bis hin zum fünften Olympiasieg fühlte sich für Natalie Geisenberger beinahe zu perfekt an. „Das ist fast ein bisschen kitschig, gell?“, fragte die neue olympische Rekordsiegerin im Rennrodeln und lachte – um ihren Hals baumelte die Goldmedaille.
Die Ausnahmesportlerin hat bei den Winterspielen in China ihre bemerkenswerte Erfolgsgeschichte fortgeschrieben, drei Mal triumphierte im Einsitzer keine Frau vor ihr. Doch die Rekordjagd ist noch nicht zu Ende: In der Teamstaffel greift die 34-Jährige an diesem Donnerstag (14.30 Uhr MEZ) nach dem nächsten Olympiasieg – wieder winkt Historisches.
Mit sechs Goldmedaillen könnte Geisenberger Claudia Pechstein als erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin ablösen. Was das mit ihr machen würde? „Nichts“, entgegnete Geisenberger auch am Mittwoch eisern: „Mir sind solche Rekorde überhaupt nicht wichtig, zumindest noch nicht.“
Die Rekordweltmeisterin aus Miesbach tritt bei den Spielen in China so bescheiden und authentisch auf, dass man ihr diese Worte glaubt. Dank ihrer Erfahrung, ihres großen Willens und des Rückhalts ihrer Familie hat sie es geschafft, nach der Geburt ihres Sohnes Leo im Mai 2020 zurückzukommen. Geisenberger lieferte auf den Punkt ab.
„Du inspirierst uns alle, besonders uns Mütter“, schrieb die US-amerikanische Fahnenträgerin und Bob-Pilotin Elana Meyers Taylor in den sozialen Medien. Auch für Geisenberger war die Tatsache, dass sie ihre Erfolge von Sotschi 2014 und Pyeongchang 2018 als „Rodel-Mama“ wiederholen konnte, mit einer Nacht Abstand noch immer „sehr, sehr emotional“.
„Olympia scheint so ein bisschen meine Welt zu sein, ich bin wahnsinnig stolz, dass es da so funktioniert“, sagte die Bayerin, die vor den Winterspielen noch laut Kritik geübt und lange überlegt hatte, ob sie überhaupt nach China reisen will – bereut hat sie die Entscheidung nicht.
Wiederkommen werde sie aber nicht, versicherte Geisenberger. Vor ihrer Abreise am Samstag bleibt jedoch noch eine Mission. Anschließend kann die beste Rodlerin der Geschichte endlich wieder ihren Sohn in die Arme schließen. „Meinen Kleinen“, sagte sie, „vermisse ich schon ganz schön.“ sid