„Jede Kufe als einzelnes Projekt betrachten“

von Redaktion

Francesco Friedrich erklärt, worauf es bei einem Siegerbob ankommt

München – Am Montag startet Francesco Friedrich seine Goldmission. Die ersten Läufe im Zweierbob stehen an. Unserer Zeitung verriet der 31-Jährige im Vorfeld der Spiele, welche Faktoren für einen Erfolgsbob entscheidend sind.

Das Material: „Ich setzte sowohl beim Zweier- als auch beim Viererbob auf FES (die Kosten liegen hier bei rund 100 000 Euro pro Bob). Die FES-Bobs haben wir jetzt über Jahre selbst entwickelt und unser ganzes Können und Gefühl reingesteckt. Das ist unser eigenes Know-how – wir wissen bei jedem einzelnen Element ganz genau, warum wir es genau so gebaut haben.“

Die Arbeit am Bob: „Beim Bob musst du jeden Stein umdrehen. Von außen sieht man vielleicht nur eine Kiste und denkt sich: Was soll man da schon groß ändern können? Aber es steckt so viel Varianz in jedem Bob. Allein schon bei den Kufen. Eigentlich muss man jede Kufe als einzelnes Projekt betrachten. Das unterscheidet mich vielleicht auch von vielen. Man muss jedes Teil einzeln unter die Lupe nehmen, ich bin da sehr penibel. Ich mache unglaublich viele Materialtests – die anderen sehen ja auch, dass ich ständig am Mischen bin. Es geht um Aerodynamik, es geht um Gewichtsverteilung. Die Po-Kontur kann genau angepasst werden. Wenn du in einem Bereich Sachen anpasst, kann es in einem anderen Bereich zu Problemen kommen.“

Perfektion: „Den perfekten Bob gibt es nicht. Das Projekt ist nie abgeschlossen, das Set-up für die Bahn in Peking müssen wir vor Ort anpassen. Eigentlich haben wir schon wieder viel zu viel Material. Ich denke immer wieder daran, was wir noch verbessern können. Wir sind so speziell und tief in dem Thema, dass auf der einen Bahn eine Bobvariante von uns funktioniert, auf der anderen dann aber vielleicht nicht. Beim Vierer haben wir eineinhalb Varianten, beim Zweier zwei Varianten. Das sind oft nur Details, die sich unterscheiden. Beispielsweise Anbauteile, die versteift sind.“

Die Mannschaft: „Das Team ist natürlich enorm wichtig. Wenn man sich nicht versteht, reißt man sich auch nicht für den anderen den Hintern auf. Das beginnt mit dem Training im Sommer, geht über Zusatz-Ernährung, Anschubtests, die Einstiege und das Gefühl im Bob. Jeder muss während der Fahrt genauso dabei sein wie ich. Sonst funktioniert es nicht.“

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