SKILANGLAUF

Der erste Tibeter bei Winterspielen

von Redaktion

Politisch gesehen ist Tibet für China bekanntlich ein mehr als heikles Thema. Im Skilanglauf-Team des Olympia-Gastgebers scheint das aber – zumindest während der Spiele – keine Rolle zu spielen. So gab ein junger Mann namens Cirenzhandui sein Olympia-Debüt. „Im Wettbewerb mit der Weltspitze habe ich meine Defizite gesehen. Ich brauche Trainingserfahrung, um meine Fähigkeiten zu nutzen“, zitierten chinesische Medien den 18-Jährigen, der am Freitag über 15 km 60. unter 97 Startern wurde und nun erster tibetischer Sportler in der Geschichte Winter-Olympias ist.

Dass Sportler aus Randgebieten, deren Bevölkerung mindestens deutlichen Repressalien ausgesetzt ist, für China starten, ist von der Staatsführung im Hinblick auf die weißwaschende Außendarstellung durchaus erwünscht. Allerdings gingen dem olympischen Langlauf-Debüt Tibets auch sportspezifische Überlegungen voraus. Um rückständige Wintersportsparten für die Heimspiele auf konkurrenzfähiges Niveau zu hieven, castete Chinas Sportführung rund 4000 junge Athleten. Experten erkannten, dass der Nachwuchs aus dem durchschnittlich 4500 m hoch gelegenen Tibet prädestiniert für Skilanglauf ist.

„Unsere Athleten aus der Höhe haben Ausdauer-Vorteile“, sage Langa Dorji, Leiter des tibetischen Skiteams. Chinas Staatsführung sieht einen weiteren Vorteil: Tibets Bergwelt soll eine zentrale Rolle beim Plan spielen, 300 Millionen Bürger zum Wintersport zu bringen – ein wenig Werbung schadet nicht.

So schwärmte nach der Nominierung Cirenzhanduis Tibets Sportbüro-Leiter Nimaiciren von der historischen Bedeutung der Winterspiele für sein Volk: „Die Sache des Sports in Tibet hat eine vielversprechende Zukunft.“  sid

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