Peking – Die deutsche Dominanz im Eiskanal verblüfft auch die Verantwortlichen. „Ich bin ja nun schon lange dabei, aber das habe ich noch nie erlebt“, sagte Thomas Schwab, Vorstandschef und Sportdirektor im Bob- und Schlittenverband für Deutschland. Sechs Rennen, sechs Siege – nach den vier Goldmedaillen der Rodler setzte Hannah Neise die deutschen Festspiele im Sliding Centre im Skeleton fort, Tags zuvor hatten Christopher Grotheer und Axel Jungk einen Doppelsieg gefeiert.
„Das wird den deutschen Skeleton-Sport nach vorne bringen“, prophezeite Schwab. Bundestrainer Christian Baude freute sich dank der Erfolge von Peking auf mehr Fördergelder für die häufig eher vernachlässigten „Kopf-voran“-Rodler: „Das heißt für uns, dass wir im Nachwuchsbereich noch besser arbeiten können.“
Die Bilanz mit bislang neun Medaillen ist für den gesamten Schlittenverband schon jetzt außergewöhnlich. Die Spiele dürften für den BSD die besten der Geschichte werden. Zumal die vier Bob-Wettbewerbe noch kommen. Zwei Goldmedaillen sollen herausspringen. Im Monobob wird daraus zwar eher nichts. Aber die Zweier zeigten in den Trainings schon ihre Klasse. Johannes Lochner und Christoph Hafer lieferten Bestzeiten. Weltcup-Dominator Francesco Friedrich hatte mit den Plätzen acht und vier noch Probleme. Beunruhigt hat es ihn nicht: „Zum Rennen wird es passen.“
„Ich bin selbst überrascht, dass wir es so genau getroffen haben. Beispiel Rodeln: Wir haben seit zwei Jahren keinen so erfolgreichen Wettkampf gefahren wie hier bei Olympia“, sagte Schwab und hob eine „herausragende fahrerische Performance“ der „sehr gut ausgebildeten“ Rodler und Skeletonis hervor.
Diese profitieren im BSD von gefestigten Strukturen und einer Förderung, die im internationalen Vergleich ihresgleichen sucht. Vor allem das Material, wo Deutschland mit dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) einen Riesenvorteil besitzt, läuft in China ausgezeichnet.
Dass Schwab als Teil der Bahnkommission des Weltverbandes IBSF den Bau des olympischen Eiskanals mit begleitete, sei eher nebensächlich für den Erfolg. „Natürlich haben wir Einfluss auf die Schwierigkeit der Bahn, aber solche Entscheidungen treffe ich ja nicht allein“, versicherte Schwab. sid