Peking – Lindsey Jacobellis konnte einfach nicht anders. Als sie über den letzten Sprung geflogen kam, griff sie unten an ihr Snowboard – doch diesmal musste sie ihren Übermut nicht mit Hohn und Spott bezahlen wie vor 16 Jahren in Turin. Damals wollte sie der Konkurrenz ihre in der Tat große Überlegenheit mit dem überflüssigen Trick demonstrieren, diesmal musste sie ihn einfach bringen.
Die Schmach von 2006 hatte Jacobellis bereits getilgt, als sie im Einzel-Wettbewerb der Snowboardcrosser jenes Gold gewann, das nach ihrem Sturz vor 16 Jahren nur ein schnödes Silber gewesen war. Doch jetzt, im Alter von 36 Jahren, war es ihr ein dringendes Bedürfnis, mit einer Reminiszenz an den peinlichsten Moment ihrer Karriere die Vergangenheit endlich hinter sich zu lassen.
„Es ist unglaublich“, sagte die Kalifornierin, und das dachte sich wohl auch ihr Partner Nick Baumgartner. Der ist schon 40 Jahre alt, und sein größter Erfolg war die Goldmedaille bei der WM 2017 im Männer-Team. Und er hat Lust auf mehr. „Wenn ich nicht aufhöre, sagte Baumgartner lachend, „dann wird sie auch nicht aufhören.“ Warum sollten sie auch, jetzt wo sie es gelassen angehen können. sid