Notizen aus Peking: Hannahs Power-Booster-Saft– und Eiseis Grüße an Elias

von Redaktion

Saft gibt Kraft: Kurz vor den Olympischen Winterspielen erwischte es Hannah Neise. Die Skeleton-Pilotin wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Damit der Traum von den Winterspielen wahr werden konnte, griff die 21-Jährige zu ungewöhnlichen Methoden. Sie habe sich „mit Vitaminen vollgepumpt“, berichtete die Sauerländerin. „Ich habe jeden Morgen Selleriesaft getrunken. Das werde ich sicher nicht noch einmal machen.“ Die Gemüse-Qual lohnte sich, Neise wurde erste deutsche Olympiasiegerin in ihrer Sportart. Doppel-Rente: Wenn es am schönsten ist, soll man auf jeden Fall weitermachen. So verfährt zumindest Christopher Grotheer, der sich als erster Deutscher zum Skeleton-Olympiasieger krönte. Da der Thüringer zuvor schon zweimal Weltmeister war, geht nach oben eigentlich nicht mehr viel. „Fürs Aufhören bin ich noch zu jung“, sagte der 29-Jährige und machte die Entscheidung über den Ruhestand von der Konkurrenzfähigkeit seines Arbeitsgeräts abhängig. „Wenn der Schlitten in Rente geht, dann gehe ich auch in Rente.“ Riesenbrezel mit Snowboardriese: Und immer wieder taucht sie auf, die aufblasbare Plastik-Riesenbrezel. Erstmals wurde die deutsche Eiskunstlauf-Meisterin Nicole Schott vor einer Woche mit dem Erinnerungsstück aus der bayerischen Wahlheimat gefeiert. Nun feuerte die Eisschnellläuferin Michelle Uhrig die Eistänzer Katharina Müller und Tim Dieck an – und traf dort zufällig Snowboard-Ikone Shaun White, der sich gut gelaunt mit den drei deutschen Aktiven und der Brezel fotografieren ließ. Schneeballschlacht: Und plötzlich war alles weiß. Innerhalb einer Nacht wurde aus der graubraunen Berglandschaft in Yanqing ein Winter-Paradies. Für die vielen freiwilligen Helfer rund um die Olympischen Spiele hieß das: Schnee schippen, Schneemann bauen und Schneeballschlacht. „Ich weiß nicht, ob ich jemals schon so viel Schnee gesehen habe“, erzählte einer der Mitarbeiter begeistert. Was für viele Einheimische eine schöne Abwechslung war, stellte die Skirennfahrer beim Riesenslalom am Sonntag vor enorme Probleme. Biathlon-Brüder: Nach ihrem geschichtsträchtigen Biathlon-Rennen lagen sich Johannes Thingnes und Tarjei Bö schon in der Umkleidekabine jubelnd in den Armen. Auf dem Siegerpodest standen sie am Samstag Arm in Arm mit der norwegischen Flagge. Mit Sprint-Gold für den 28-jährigen Johannes und Bronze für den fünf Jahre älteren Tarjei sind die Bös die ersten Brüder, die in einem olympischen Biathlon-Einzelrennen gemeinsam das Podium erreichten. Onkel Eisenbichler: Skispringer Markus Eisenbichler erhielt bei den Olympischen Winterspielen eine gute Nachricht, die mal so gar nichts mit seiner Sportart zu tun hatte. Der 30-jährige Bayer wurde Onkel. „Da möchte ich meinem Bruder einen herzlichen Glückwunsch sagen“, sagte „Eisei“ sichtlich glücklich und stolz in Zhangjiakou. „Das ist viel mehr wert, als wenn man hier eine goldene oder sonst irgendeine Medaille macht.“ Zu seinem Neffen sagte er: „Das ist der Elias. Der Stammhalter ist gesichert für unsere Familie.“ Atomkraftwerk? Chinas Goldmedaillengewinnerin Eileen Gu zeigte ihre Künste in der Luft vor dem Hintergrund von grauen Kühltürmen. Auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerkes Shougang im Westen Pekings steht Big Air, die 60 Meter hohe Rampe für die Freestyle-Wettbewerbe bei den Olympischen Winterspielen. Unkundige westliche Beobachter spekulierten auf Twitter, dass die Türme einem Atomkraftwerk gehören könnten, was chinesische Staatsmedien verärgerte: „Extrem absurd.“ Der Industriepark ist ein Zeugnis für den Kampf der Hauptstadt gegen den Smog. Als eines der größten Stahlwerke Chinas hatte das 1919 gegründete Shougang stark zur einst berüchtigten Luftverschmutzung Pekings beigetragen, die sich spürbar verbessert hat. Vor den Sommerspielen 2008 begann die Umsiedlung des Stahlwerkes in die Nachbarprovinz Hebei. Das Gelände wurde restauriert, kombiniert heute Industriegeschichte, olympische Kultur und Wettkampfstätte. Auch das Organisationskomitee für die Winterspiele hat dort seinen Sitz.

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