„Druck ist künstlich produziert“

von Redaktion

Salzburg – So schnell kann sich das Blatt beim FC Bayern wenden. In der Hinrunde jagte die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann von einem Rekord zum nächsten. In der Champions League zählten die Münchner nach einer makellosen Gruppenphase mit sechs Siegen bei 22:3 Toren zu den großen Henkelpott-Favoriten.

Und nun? Nach der Liga-Pleite bei Aufsteiger Bochum (2:4) und dem 1:1 im Achtelfinal-Hinspiel der Königsklasse bei Österreichs Serienmeister Salzburg hagelt es öffentliche Kritik. Zwei sieglose Pflichtspiele in Folge gab es zuletzt im April 2021 für den FC Bayern. Auch Nagelsmann ist bewusst, dass die Seinen viel mehr drauf haben als zuletzt gezeigt. „Um mit Europas Elite mithalten zu können, haben wir noch ein bisschen was zu tun“, sagte er: „Aber ich werde nicht die Welt untergehen lassen, auch wenn’s medial gewünscht ist.“

Nagelsmann weiß, dass beim FCB aufgrund seiner Historie Siege und Titel en masse erwartet werden. Der Druck in München ist ein anderer als noch bei seinen vorherigen Chef-Stationen in Hoffenheim und Leipzig. „Wenn du in Bochum verlierst und in Salzburg Unentschieden spielst, dann ist das nicht das, was man bei Bayern München sowohl medial als auch fanmäßig und clubintern sehen will. Dann gibt es ein bisschen Druck. Ich habe jetzt vielleicht keinen IQ von 130, aber das wusste ich trotzdem vorher schon.“

Nagelsmann ist ein Coach, der seine Entscheidungen durchaus hinterfragt, bereit ist, sie anzupassen. Nach Niederlagen spüre er Scham, betonte er zuletzt in einem Interview mit dem Mitglieder-Magazin „51“ des FC Bayern. Die aktuelle Lage des FC Bayern, der die Saison mit Titeln in der Bundesliga und Champions League trotz DFB-Pokal-Aus bei Borussia Mönchengladbach (0:5) zu einer großartigen machen kann, sieht der Coach nicht ganz so dramatisch. „Der Druck im Fußball ist viel künstlich produziert. Wir haben in der Liga nach wie vor sechs Punkte Vorsprung, da ist nach einer Niederlage, die wir nicht wollten und im Nachhinein auch nicht akzeptiert haben, nichts weiter passiert. Und in der Champions League haben wir bis heute alles gewonnen. Heute haben wir Unentschieden gespielt, wo wir gewinnen wollten. Auch das werden wir aufarbeiten“, erklärte Nagelsmann, der das 1:1 in Salzburg bereits auf der Rückreise nach München im Mannschaftsbus analysierte.

Der ambitionierte Fußballlehrer bleibt entspannt: „Ich spüre, dass die Saison jetzt mehr in die heiße Phase geht. Ich bin eher dafür, dass sich alle Parteien weniger beklagen oder rumdiskutieren, sondern einfach arbeiten und machen und Entscheidungen treffen“, sagte Nagelsmann. Ein Achtelfinal-Aus gegen Salzburg fürchte er nicht: „Angst habe ich im Fußball noch nie gehabt!“  pk, bok

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