Als die Bronzemedaille endlich um ihren Hals baumelte, war die Leidenszeit für Franziska Preuß endgültig verflogen. Mit einem breiten Grinsen nahm die Biathletin das gute Stück in Zhangjiakou entgegen, als Belohnung für den harten Kampf in den vergangenen Monaten. „Für den Kopf hat die Medaille schon richtig gutgetan. Das habe ich noch nie erlebt, dass ich im Ziel weinen musste vor Freude“, sagte die Skijägerin vom SC Haag, nachdem sie mit Denise Herrmann, Vanessa Voigt und Vanessa Hinz in der Staffel Bronze gewonnen hatte: „Da waren schon viele Emotionen dabei, die mal raus mussten.“
Ihre erste Medaille bei Olympia, im dritten Anlauf. „Jeder ist ein kleiner Stein vom Herzen gefallen“, sagte Preuß: „Es ist immer schön, wenn nach einem Tief wieder ein Höhenflug kommt.“ Im Sport dürfe man eben „nie locker lassen“, man müsse sich immer durchkämpfen.
Und was hatte Preuß zuletzt nicht alles erleben müssen. Erst stoppte sie ein Treppensturz mit Fußverletzung, dann eine Corona-Infektion. „Ich dachte, der ganze Hals ist offen“, erzählte sie. Seit Anfang Dezember konnte sie kein Rennen mehr laufen. Der Medaillentraum war fast begraben. In Peking die nächsten Rückschläge: nur die Plätze 25 (Einzel) und 30 (Sprint) für die Gesamtweltcup-Dritte 2020/21.
„Es fehlt die Lockerheit, es fehlt der Spaß“, sagte sie. Dann standen ihr Familie, Freunde und Partner Simon Schempp in der Heimat zur Seite. „Sie haben mich daran erinnert, warum ich eigentlich Biathlon mache. Ohne sie hätte ich es nicht geschafft, und ich hätte es schon bleiben lassen.“
Und jetzt die Medaille. „Nach so einem Tag wie heute macht Biathlon auch wieder Spaß“, sagte Preuß. Und lächelte.