Silber nach Drama um Frenzel

von Redaktion

Die deutschen Kombinierer erleben im Teamwettbewerb ein Gefühlschaos

Zhangjiakou – Auf dem Podestplatz, der eigentlich für Eric Frenzel vorgesehen war, lag das Olympia-Maskottchen. Bei der Silber-Auszeichnung seines Team fehlte der völlig erschöpfte und unterkühlte Nordische Kombinierer. Eine gute halbe Stunde nach seinem wohl letzten Rennen bei Winterspielen hatte sich der 33-Jährige wieder erholt. „Ich habe eben erst erfahren, dass wir Silber geholt haben. Ich bin überglücklich“, sagte Frenzel: „Jetzt geht es mir wieder ganz gut, auf der Strecke ist es mir sehr schlecht ergangen. So ein Rennen hatte ich schon lange nicht mehr.“ Erst als er aus dem Trio wieder ein Quartett machte und seinen Mitstreitern in die Arme fiel, durften sich Vinzenz Geiger und Co. über das Happy End freuen.

Nur drei Tage nach der Entlassung aus der Quarantäne hatte Frenzel den Start mit der Staffel gewagt, auch weil die Ärzte grünes Licht gegeben hatten. Auf der Strecke waren dem 33-Jährigen die Strapazen aber anzusehen, Frenzel verlor viel Zeit auf den späteren Sieger Norwegen sowie Japan und Österreich. „Die anderen wollten meine Situation natürlich nutzen. Glücklicherweise hatte ich so ein gutes Team“, sagte Frenzel.

Jenes Team, das waren Julian Schmid, Manuel Faißt und am Ende vor allem Geiger. Der Oberstdorfer setzte wie bei seinem Olympiasieg von der Normalschanze zu einer furiosen Aufholjagd an, gewann den Zielsprint um Silber gegen Japan und feierte mit der deutschen Fahne in der Hand. „Es waren perfekte Spiele für mich“, sagte Geiger. „Mit zwei Medaillen im Gepäck bin ich überglücklich.“

„Der Eric hat sich völlig verausgabt. Das mit Corona wird sein Übriges dazu beigetragen haben“, sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch, der nach dem Rennen erklärte, dass die zehnten Olympischen Spiele seiner Karriere auch die letzten waren. Bis Mailand/Cortina d’Ampezzo 2026 will der 61-jährige Berchtesgadener nicht weitermachen. Man werde sich im Frühjahr zusammensetzen, um über seine Zukunft zu sprechen.

Vor dem Teamwettbewerb hatte der Bundestrainer die Qual der Wahl und entschied sich letztlich für Frenzel und gegen Johannes Rydzek. Ein Fehler sei die Aufstellung des Routiniers aber nicht gewesen, meinte Weinbuch. Das sah auch Frenzel so. „Alle Checks vorher waren gut“, betonte der Sachse, der sich in der Quarantäne mit Joggen im Zimmer und auf dem Ergometer fit gehalten hatte. Im Springen schaffte er noch starke 132 m, im deutschen Team flog nur Geiger weiter. Doch in der Loipe folgte dann der körperliche Einbruch.

Entwarnung gab es kurz nach dem Rennen von Teamarzt Stefan Pecher. „Sicher war die Belastung aufgrund des massiven Anfangstempos nach der langen Quarantäne ein bisschen hoch, aber gesundheitliche Schäden sind nicht zu erwarten“, sagte Pecher.

Am Ende war es zwar nicht Frenzel, sondern Jörgen Graabak, der als erster Kombinierer der Geschichte zum vierten Mal Olympia-Gold holte. Doch Frenzel sorgte für zwei andere olympische Bestmarken: Mit seiner siebten Medaille stellte der 33-Jährige den Rekord von Felix Gottwald (Österreich) ein. Bei vier verschiedenen Winterspielen auf dem Podest hatte vor Frenzel nur der Österreicher Mario Stecher gestanden.

Und so war am Ende eben doch alles gut. „Ich habe alles gegeben, alles rausgeholt. Deswegen haben wir die Silbermedaille verdient gewonnen“, sagte Frenzel.  sid/dpa

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