TV-KRITIK
„Wer stiehlt mir die Show?“ Das fabelhafte Joko-Quiz auf ProSieben ist momentan eine der amüsantesten Fernsehsendungen. Und weil der Gag bei uns seit zwei Wochen unbenutzt im Notizblock wartet, steht die heutige Schina-Kolumne unter dem Motto „Wer stiehlt mir den Snow?“ Dieses Wortspiel musste raus, bevor Olympia vorbei ist, und bevor der Winter scheidt. Heute und morgen wollen wir in unserer kleinen Servicerubrik Leserfragen beantworten. Einige Anfragen hinterlassen selbst uns ratlos, zum Beispiel: „Ist Eurosport-Eishockey-Fachmann Patrick Ehelechner der Mann von Ski-Expertin Martina Lechner?“ In anderen Fällen können wir helfen.
– Hat Felix Neureuther die Mona Lisa gemalt? Ja, der ARD-Ski-Erklärer ist quasi der Schneeonardo da Vinci. Am Mittwoch hing die mysteriöse Dame hinter ihm im Seuchen-Hotelzimmer. Felix versicherte, dass er das Bild eigenhändig angefertigt hat, er hat ja Zeit in der Quarantäne: „Ich darf hier keinen sehen, wer soll es mir gemalt haben?“ Moderatorin Julia Scharf argwöhnte zwar, dass die künstlerisch begabte Felix-Schwester Ameli hinter dem Gemälde steckt. Aber der junge Neureuther beteuerte, dass er mit der Mona Lisa seine Gefühle ausdrücken wollte: „Das ist momentan die Gemütslage, die Frau schaut ein bissl zwider.“
– Beherrscht Felix auch Expressionismus? Absolut, ihm stiehlt in Sachen Wintersportkunst keiner den Snow. Für die gestrige Übertragung hat er mit seinen „Wachsmalkreiden“ (O-Ton Scharf) den „Schrei“ von Felix Neureuther-Munch gemalt – natürlich als Hommage an die führenden Wintersportler aus Norwegen. Es könnte sich aber auch um einen Wutschrei handeln, weil bei der Kombi keine deutschen Skifahrerinnen am Start waren. „Es kann sich jeder ein Bild davon machen“, schlägt der Künstler vor. Für den deutschen Mixed-Alpin-Sieg am Samstag pinselt Felix bestimmt schon an „Der Mann mit dem Goldhelm“ vom schnellen Holländer Rennbrandt.
– Wo ist Olympia am schönsten? Für uns eindeutig im Schweizer Fernsehen SRF, das wir parallel zu ARD, ZDF und Eurosport ebenfalls stundenlang verfolgen. Gestern, als beim Kombi-Gold von Michelle Gisin der „Schweizerpsalm“ in Pekching erkchlungen isch, war die zauberhafte liechtensteinische Kcho-Kchomentatorin Tina Weirather (mit Straubinger Migrationshintergrund) wieder in Prachtform. Ja grüezinachad, hat sich die Tina gefreut: „Jetz ned abhockche, vorne bliebe! Ja ja, luag, wie sie fliagt!“ Am Ende standen die beiden „Fründinnä“ Gisin und Wendy Holdener auf dem Podeschtli, weil vor allem die Siegerin lernfähig ist: „Sie wird ihre Schlüsslis zoga hali.“ Große Liebe für die Tina und Kchommentator Marco Felder, quasi den Müesli-Schmelzer.
– Wird bei Olympia gegendert? Auf jeden Fall! Die Senderinnen und Sender gendern fleißig, wenn die lieben Zuschauerinnen und die lieben Zuschauer den Wintersportlerinnen und Wintersportlern zusehen. Mit dem ausgiebigen Gendern füllen Katrin oder Jessy ganze Sendeminuten. Viele sprechen gar nicht mehr vom Fernsehsender, sondern vom Fernsehgender. Ist aber auch wichtig. Denn wenn die KMH nur sagt, „liebe Zuschauer“, meinen die Frauen vielleicht, dass sie nicht zuschauen dürfen. Nur ZDF-Ski-Kommentator Aris Donzelli verweigert das Gendern und begrüßt listig „alle Frühaufstehenden“. Damit isch für heute Schlüssli. Wir melden uns morgen wieder, dann mit der Frau mit dem Goldhelm. JÖRG HEINRICH