„Träume ich noch?“

von Redaktion

Katharina Hennig und Victoria Carl können ihr Glück immer noch kaum fassen

Zhangjiakou – Katharina Hennig und Victoria Carl werden nach eigener Aussage noch einige Zeit brauchen, um ihren olympischen Gold-Coup im Team-Sprint im Langlauf in Zhangjiakou zu verstehen. „Mir sind die Gesichtszüge entglitten. Ein wahnsinnig toller Moment, aber noch nicht zu greifen“, sagte die 25-jährige Hennig am Donnerstag über die Situation, als am Tag zuvor ihre Teamkollegin nach einem furiosen Schlussspurt als Erste über die Ziellinie fuhr.

Ähnlich wie ihr erging es der ein Jahr älteren Victoria Carl. „Wow, du hast deinen Traum, den du in die Freundschaftsbücher geschrieben hast, jetzt wirklich“, beschrieb sie ihre ersten Gedanken am Morgen danach. „Wo kommt das her? Ist das wirklich wahr? Träume ich noch oder bin ich wirklich schon gelaufen?“ An ihren Schlussspurt kann sie sich nicht mehr erinnern. „Wenn ich es nicht gesehen hätte hinterher, dann wüsste ich noch immer nicht, wie ich es gemacht habe“, sagte Carl, die kurzfristig für Katherine Sauerbrey eingesprungen war. „Der Moment, als ich auf die Zielgerade bog, ist weg. Ich war so im Tunnel.“

Hennig und Carl gehörten auch zur Staffel, die Silber gewonnen hatte. Ein Jahr nach der enttäuschenden WM in Oberstdorf zählen die deutschen Langläuferinnen damit wieder zur Weltspitze. „Eine Heim-WM ist speziell, weil eine andere Aufmerksamkeit herrscht. Ich denke, wir waren noch nicht so weit“, sagte Hennig. „Unser Schlüssel hier ist die Lockerheit, die uns da gefehlt hat.“ So wurde unter anderem jeden Morgen zur festen Zeit für zehn Minuten getanzt. Am Tag des goldenen Rennens lief Musik nach dem Motto „We will rock you“ von Queen. „Es hat richtig gut gepasst“, sagte Carl. „Und egal, was andere sagen: einfach abzappeln.“

Auch wenn das kleine Wunder von Zhangjiakou mit dem Teamsprint-Triumph von „Vici“ und „Katha“ natürlich vor allem auf das Konto der beiden Athletinnen ging: Der eigentliche Urheber des deutschen Langlauf-Aufschwungs fehlte am Donnerstagmorgen. Bundestrainer Peter Schlickenrieder hielt sich ganz entgegen seiner Gewohnheiten zurück. „Er hatte einen großen Anteil an dem hier“, sagte Hennig.

Schlickenrieder, der am goldenen Mittwoch seinen 52. Geburtstag feierte, stellte unterdessen klar: „Das ist keine One-Man-Show.“ Aus seinen Emotionen wollte der Schlierseer aber keinen Hehl machen: „Das ist so intensiv hier, ich könnte die ganze Zeit heulen.“  dpa/sid

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